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von
Peter Schulte am 5. März 2001 um 03:36 Uhr
Sehr geehrter Herr Schlittenbauer,
herzlichen Dank für Ihre kostenlose
Qualitätskontrolle in Sachen Sektenbeauftragte. Vielleicht
erfreuen Sie uns ja in Zukunft mit weiteren Anforderungen, die
Sektenbeauftragte zu erfüllen haben, um in Ihren Augen einen
Wert zu besitzen. Vielleicht darf ich Ihnen auch einen Rat geben. Zu
den Mindestanforderungen eines Sektenbeauftragten gehört es,
u.a. die Medienberichte genau zu studieren. Hätten Sie das
nämlich getan, würden sie feststellen, dass Sie in unserem
Gästebuch die Aussage von Herrn Godai zitieren und nicht mich.
In der Sendung "Thema" wurde angedeutet, dass in
der "Niederlassung Tirol" Sexorgien im Beisein von Minder-
jährigen stattfinden könnten. Obwohl Herr Godai mich nicht
mit dieser Behauptung konfrontiert hat, wird mein Statement in diesem
Zusammenhang gesendet. Meine Aussage war eine Antwort auf die von
Herrn Godai gestellte Frage, was von unserer Seite aus getan wird, um
sexuellem Mißbrauch in Zusammenhang mit sogenannten Sekten
entgegenzuwirken. Meine Aussage bezog sich auf die Situation in Tirol
und da habe ich mir nichts vorzuwerfen, sondern mich an die Fakten
gehalten und die sind eindeutig: Es gibt keine Hinweise auf derartige
Fälle.
Dass Sie aus einem Besuch meinerseits in Füssen
Rechte für sich in Anspruch nehmen, habe ich nicht gewußt.
Offenbar haben sie erwartet, dass ich mich unverzüglich daran
mache, Ihre Propaganda auch in Tirol zu verbreiten. In dieser
Hinsicht haben Sie sicher recht, wenn ich in Ihren Augen mein Geld
nicht wert bin. Dafür werde ich nämlich auch gar nicht
bezahlt. Es ist nicht meine Aufgabe, in der Öffentlichkeit Angst
und Schrecken zu verbreiten, sondern den Menschen die Angst zu
nehmen. Ich möchte mich auch an dieser Stelle in aller
Deutlichkeit von Ihrer Arbeitsweise distanzieren. Sie versuchen, aus
einer verurteilten Einzeltat eine kollektive Handlung zu
konstruieren, indem Sie eine Gemeinschaft von Gleichgesinnten mit dem
Etikett "Psychosekte" versehen und diese öffentlich
kriminalisieren. Sie unterstützen Statements wie "Füssen
wird von einer obskuren Psychosekte unterwandert", "bei
geheimen Ritualen werden Minderjährige mißbraucht"
oder "130 sind es, die Wankmiller sich als Arbeitssklaven
verpflichtet hat" (behauptet in der Sendung "Quer",
bei der Sie Studiengast waren und sich nicht von diesen Aussagen
distanziert haben - ganz im Gegenteil).
Der wirkliche Skandal
ist in meinen Augen der, dass Sie ganz bewußt bestimmte Medien
in Ihrem oyeuristischen Verlangen nach Sensationsmeldungen mit
fragwürdigen Statements und Anschuldigungen unterstützen.
Sie sind der einzige Informant, auf den diese ganzen Berichte
zurückzuführen sind. Jeder kritische Mensch muß sich
langsam fragen, für wen Sie eigentlich arbeiten und wer
letztendlich davon profitiert.
Sie werfen den Behörden
vor, untätig zu sein. Dieser Vorwurf ist ein weiterer Skandal,
da Sie sich z.B. über Entscheidungen einer auf demokratischen
Grundlagen beruhenden Justiz hinwegsetzen, indem Sie selbst Richter
über Gut und Böse spielen. Sie sollten sich lieber einmal
überlegen, warum die meisten Behörden nicht mit Ihnen
zusammenarbeiten wollen. Herr Schlittenbauer, bei allem Respekt, ich
habe nichts gegen eine öffentliche Auseinandersetzung zu dieser
Thematik, ganz im Gegenteil, aber ihre Rundumschläge gegen
alles, was nicht mit Ihnen konform geht zeigt mir, dass Sie überhaupt
kein Interesse an einer öffentlichen und konstruktiven
Diskussion haben. In Wirklichkeit outen Sie sich selbst als Guru, der
sich allein im Besitz der ganzen Wahrheit glaubt. Die Falschaussage
in der Sendung "Thema", demnach Sie der bayrische
Sektenbeauftragte sind, d.h. offiziell im Auftrag der bayrischen
Landesregierung tätig sind, stört Sie offenbar nicht
besonders.
Wenn sie meinen, unbedingt Druck auf mich ausüben
zu müssen (...wir werden dieses Schreiben anderen Stellen
weiterleiten), dann ist das Ihr gutes Recht. Letztendlich zeigt es
mir aber auch, mit welchen Mitteln Sie versuchen, Meinungsbildung zu
betreiben. Dass ich eine eigene Meinung vertrete, scheint Sie
besonders zu stören. Anders ist es wohl nicht zu erklären,
dass Sie mir in aller Öffentlichkeit empfehlen, mich in die Ecke
zu stellen und zu schämen. Die Zeiten sind vorbei, Herr
Schlittenbauer, wo man mit dem Finger auf unliebsame Menschen zeigt,
um diese anschließend öffentlich hinzurichten.
Dipl.-Soz. Dr. Peter Schulte Leiter von kult & co
tirol
Enthoben vom Internet aus dem forumroman @
http://www.kult-co-tirol.at/text/foru.htm
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