Der Betreiber dieser Webseite ist der hoch-engagierte Martin Mitchell in Australien (ein ehemaliges “Heimkind” in kirchlichen Heimen im damaligen West-Deutschland)

( 26.08.2003 )

Martin Mitchell aus Australien in Antwort auf einen Beitrag im Bethel Gästebuch von Internet-Troll und Cyber-Stalker "Huckebein", 03.08.2003, 19:24:34 (einer von mehreren Beiträgen von Martin Mitchell und anderen Leuten, die seither von Bethel von ihrem Gästebuch gelöscht worden sind).

Martin Mitchell aus Australien als *Anhang* zu seiner Antwort (von gestern), auf eine weitere Stellungnahme, von Seiten des Geschäftsführers der jetzigen Diakonie Freistatt, Pastor Wolfgang Tereick, der sich am 5. August 2003, im Gästebuch der diakoniefreistatt.de/guest, zum zweiten mal zum Thema "Zwangsarbeit in der Fürsorgeerziehung" gemeldet hat [ und den Begriff "Zwangsarbeit" für damalige "Fürsorgezöglinge" total ablehnt ].

1.) Meines Erachtens ist jede *erzwungende Arbeit*, ob leicht oder schwer, *Zwangsarbeit*, schon bei Definition. Auch wurden alle nach Deutschland verschleppten, heute noch lebenden, fremdländischen Zwangsarbeiter, vor kurzem entschädigt und ihnen eine öffentliche Entschuldigung zugesagt, auch wenn sie in Deutschland in diakonischen oder charitativen Einrichtungen nur "Kartoffeln schälen", Geschirr spülen, oder Papiertüten kleben "mußten". Auch Bethel und andere diakonische und charitative Einrichtungen die sich Zwangsarbeiter zum Nutzen gemacht hatten, machten da keinen Unterschied. Was ist der Unterschied für Sie?

2.) Wie schon mehrmals von mir angedeutet, *Kindern und Jugendlichen in der damaligen "Fürsorgeerziehung" wurde nicht geholfen*, sie waren dort eingesperrt worden einzig und allein um ausgebeutet zu werden. Diese damalige "Fürsorgeerziehung" wurde ihnen zur größten Hinderness ihres Lebens, und verfolgt sie auch heute noch. Sogar Bethel würde heute nichts anderes behaupten! "Ausbildung" gab es nicht, und von irgendwelcher "ärztlichen Versorgung" kann überhaupt nicht die Rede sein, besonders nicht was die Mooranstalten betrifft!

3.) Haben Sie schon den Artikel im DER SPIEGEL, »KIRCHE Unbarmherzige Schwestern« (19. May, 2003), und auch die Leserbriefe in Antwort darauf, gelesen? Das würde bestimmt etwas zur Aufklärung Ihrer vielen Fragen beitragen, obwohl dieser Artikel nicht speziell von der Betheleigenen Anstalt Freistatt handelt.

4.) "Schwererziehbar" war damals genauso nur so ein Begriff wie auch für manche der Begriff "schwachbegabt", "minderwertig" oder sogar "lebensunwert" angewendet wurde. Aber, nur der letztere Begriff wurde, wenn auch nicht sofort, dann aber doch bald nach dem Kriege total abgeschafft. Vielleicht haben Sie auch schon mal etwas von dieser düsteren Geschichte Deutschlands gehört. Ja, es ist wahr, man ließ sogar "lebensunwerte" Patienten in Anstalten noch nach dem Kriege verhungern. In Bethel selbst wird das wohl nicht so gewesen sein, das weiß ich nicht.

5.) Aber in der "Fürsorgeerziehung" haben sie nach dem Kriege für viele Jahrzehnte, mit sogenannter "Erziehung", genauso weitergemacht, wie vor und während dem Kriege auch. In Freistatt, und anderen diakonischen und charitativen geschlossenen Einrichtungen für "Schwererziehbare" war das Motto immer "Arbeite und Bete". Und zum beten und zur Schwerarbeit, zu allen Zeiten, wurden alle Insassen *gezwungen*. Im KZ und im Arbeitszwangslager war das Motto "Arbeit macht Frei." Kein grosser Unterschied, obwohl sie wohl niemanden in "Einrichtungen der freien Träger" umgebracht haben. Zu allen Zeiten existierten diese Institutionen, Anstalten und Lager einzig und allein zur Nutzung "kostengünstiger Arbeitskräfte". Das können Sie mir glauben! Ich bilde mir das nicht ein. Ich habe das alles studiert und erforscht, und habe mich nicht dabei einzig und allein auf Betheleigene Literatur und Jubiläumsbroschüren beschränkt. Natürlich wissen alle die in Bethel / Nazareth / Sarepta studiert haben vielfach nur von den guten Dingen, und geben das nun selbst auch so weiter wie sie es dort gelernt haben. Ich habe es nicht nur studiert und erforscht, aber habe es auch persönlich erfahren!

6.) Mit Ihrer speziellen Frage, "Warum und weshalb ist man nach Bethel gekommen?", meinen Sie wohl, "Warum und weshalb ist man nach Freistatt gekommen?" Das ist in vielen Fällen nicht einfach zu beantworten, genauso wenig wie man mit Genauigkeit feststellen kann warum Leute ins KZ gekommen sind. In den meisten Fällen war es *"eine (Art von) geheime a d m in i s t r a t i v e Einweisung"*, unternommen vom "Jugendamt" / "Jugendwohlfahrt" / "Fürsorgebehörde", und war als "Strafe" angesehen und vorgesehen, auch wenn kein Vergehen begangen worden war. Das hatte überhaupt nichts mit Gericht zu tun wo man hätte erscheinen können oder hätte vorgeführt werden können; und auch konnte man keine Berufung dagegen einlegen. Kinder hatten damals keine Rechte, und sogar viele Eltern hatten keine. Wenn man als Kind Pech hatte, und dort in Freistatt, oder anderen solcher 'Heime' mit 14 Jahren ankam, konnte man dort (theoretisch) bis zum einundzwanzigsten Lebensjahr verbleiben, ohne dort einen Beruf zu erlernen. Also, "Ausbildung" gab es nicht! Torfarbeiter war alles was sie brauchten, und die Jugendämter führten sie ihnen massenhaft zu, "um die Betriebe aufrechtzuerhalten". Heute behaupten viele noch immer, "das war halt die damalige Erziehung" und "es hatte überhaupt nichts mit Zwangsarbeit zu tun". Von der Definition von "Zwangsarbeit" habe ich und andere ja schon mehrmals gesprochen. Ich weiß nicht was Sie selbst unter solchen Umständen unter "betreut wurden" und "therapeutischer Behandlung" verstehen, oder was Sie denken wäre den Insassen während ihrer Internierung "wohl zumutbar" gewesen. Übrigens bezahlte der Staat, teilweise, für die "Unterkunft, Wäsche" und Verpflegung der Insassen (also, die Anstalts Insassen wurden von Ihren Steuergeldern unterhalten, während die Kirchen von dem "Arbeitszwang" profitierten, das war das Arrangement!). Das wurde auch dann noch den Eltern als eine "Schuld" gegenüber dem Staat auf etwaigen Grundbesitz angerechnet, so daß dadurch die Kinder selbst auch noch später enterbt werden konnten. Ja, so ging es zu im Deutschen Bundesstaat!

7.) Von wem erwarten sie eigentlich "nur eine Zeile mit positivem Inhalt über den damaligen Aufenthalt", in solchen Anstalten wie Freistatt? Soetwas werden sie heute von niemandem bekommen, und besonders nicht von der Muttergesellschaft des Unternehmens, Bethel. Der Gewinn und Profit war das einzig "positive" des Freistätter Wirtschaftsunternehmens im Wietingsmoor, aber nicht für die Insassen die dort einsperrt waren, sondern einzig und allein für Bethel und die Innere Mission. Natürlich sollte Bethel auch alle anderen Ihrer Fragen beantworten, aber ich glaube nicht, daß Sie eine Antwort von Bethel bekommen werden. Da müssen sie warten bis ich mein Sachbuch veröffentliche, und das kann noch einige Zeit dauern, weil alles genau überprüft werden muß; auch ohne die Hilfe von Bethel. Meine Fragen beantworten sie ja auch nicht, nicht die Fragen die ich öffentlich gestellt habe, und auch nicht die die ich ihnen schon vor acht Monaten per Luftpost privat zugeschickt habe.

8.) Haben Sie, und Ihre Freunde und Mitarbeiter, Verwandten und Bekannten, schon meine neue Webseite, www.diakoniefreistatt.de.vu, gesehen? Diese wurde mir gratis, ohne Aufforderung, von deutschen Helfern nach Australien zugeschickt, obwohl ich als Author immer noch selbst für den Inhalt verantwortlich bleibe. Sind Sie immer noch der Meinung, daß ich mich "tot laufe" oder "tot laufen" werde?

Martin Mitchell (Freizeit Historiker und Forscher)

[ Erstveröffentlichung auf dieser Webseite: 26. August 2003 ]

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