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Freistatt:
Aufarbeitung der Heimerziehung in der Nachkriegszeit - Pressespiegel
Diepholzer Kreisblatt 18.03.2006 (ebenso Sulinger Kreiszeitung)
Schläge im Namen des Herrn
Diakonie
Freistatt unterstützt die Aufarbeitung der Heimerziehung in der
Nachkriegszeit
FREISTATT (bw) • „Heute kann man
sich das alles gar nicht mehr vorstellen, aber in der Nachkriegszeit
wurden Fürsorgezöglingen auch in der Diakonie Freistatt
geschlagen." Der Leiter der Einrichtung, Wolfgang Tereick, ist
bemüht, offensiv mit diesem Thema umzugehen und mögliche
Fehler aufzuarbeiten.
Als der Diakonie Freistatt daher vor
drei Jahren bekannt wurde, dass der Journalist Peter Wensierski
Prügelstrafe in einer katholischen Fürsorgeeinrichtung
untersucht hatte, bot Tereick dem Autor eine Zusammenarbeit
an.
Peter Wensierski hat in den vergangenen Jahren Berichte
von Betroffenen und Augenzeugen aus ganz Deutschland zusammengetragen
und in dem Buch „Schläge im Namen des Herrn"
veröffentlicht. Er versucht damit eine Diskussion über die
„verdrängte Geschichte von Heimkindern in der
Bundesrepublik" aufzuarbeiten.
Am kommenden Montag, 20.
März, wird es im Fernsehen auch einen Bericht zu dem Thema
geben, um 22.30 Uhr im Kulturjournal des
NDR. Zur Vorbereitung dieses Beitrags war der
Kultur-Redakteur Tom Fugmann auch
einen Tag lang in Freistatt und hat Filmmaterial gesammelt.
„Was
in dem Buch über Freistatt steht, ist soweit richtig",
erzählte gestern-Wolfgang Tereick. Die Einrichtung ist
allerdings im Vergleich zu anderen Heimen, noch gut weggekommen. „Das
liegt aber zum Teil daran, dass bei, uns überwiegend junge
Erwachsene im Alter von 18 bis 21 Jahren untergebracht waren",
erklärt der Leiter. „In den Spitzenzeiten hatten wir 600
Plätze." [sic
= "Jungens";
"14-21Jährige"
in Freistatt untergebracht und beim Torfabbau und der Landwirtschaft,
d.h. "im Sommer wie im Winter im
Moor", zur unbezahlten Arbeit
eingesetzt].
Die Fürsorgeerziehung wurde seit 1901
in Freistatt angeboten. Schon 1906 wurden einmal Prügelvorwürfe
erhoben. Damals kümmerte sich Gustav von Bodelschwingh
persönlich darum, dass die Züchtigungen nicht
selbstverständlich wurden. In den 20er Jahren hielten die Ideale
der Reformpädagogik Einzug in Freistatt.
Das wurde 1933
dann aber komplett gekappt. Tereick: „Warum die Mitarbeiter
dann nach 1945 nicht wieder zu diesen Wurzeln zurückkehrten,
weiß ich nicht."
Seit 1971 ist in Freistatt ein
kompletter Wandel vollzogen worden. Heute gibt es noch 120 Plätze
in der Jugendhilfe. Wobei die Jugendlichen in familienähnlichen
Wohngruppen untergebracht sind.
Freistatt strebt heute einen
guten Kontakt zu den ehemaligen Heimkindern an. „Wer möchte,
kann alle seine Unterlagen bekommen", meint Tereick. Es sei
damals sehr viel gesammelt worden, von Bildern und Briefen bis zu
Aufsätzen der Jugendlichen. Außerdem stellt die
Einrichtung bei Bedarf Bescheinigungen für die
Rentenversicherung aus.
„Aber das Thema muss umfassend
aufgearbeitet werden", ist sich der Leiter sicher. Das soll in
der Kirchlichen Hochschule Bethel geschehen. Matthias Benad,
Professor für Diakonie- und Sozialgeschichte wird vom kommenden
Semester an die pädagogischen Ansprüche der Nachkriegszeit
untersuchen.
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