|
[
Enthoben aus dem Internet @
http://www.tripple.net/contator/aufzack/talk.asp?bid=45&nid=20128&marknid=20128&fromthread=20128
]
Damalige
Erziehungsanstalten gleicher Art wie jahrzehntelang in
Westdeutschland betrieben wurden, existierten auch in der
Bundesrepublik Österreich. Ein Betroffener aus Österreich
meldet sich zu Wort.
... ob aber dieser Beitrag für immer
dort erhalten bleiben wird, ist nicht garantiert.
Betreff:
Schläge im Namen des Herrn Von: Meinhard Heinitsch Am:
5.4.2006 01:30 Letzte Antwort: 5.4.2006 01:30
Österreichische
Erziehungsanstalt für Jugendliche 1960 bis 1965
Kaiser-Ebersdorf
Der deutsche Spiegeljournalist Peter
Wensierski hat mit seinem Buch "Schläge im Namen des Herrn"
ein Thema aufgegriffen, zu dem die österreichischen Opfer der
Heimerziehung auch sehr viel zu sagen hätten!
Der
gelernte Österreicher war in seiner Konsequenz ja immer besser
und härter als wie der Deutsche. Somit waren unsere "Erzieher"
in den Heimen, mag es nun der Rosenhof in Graz, Hartberg in der
Steiermark oder die Jugenderziehungsanstalt Kaiser-Ebersdorf in Wien
gewesen sein, wahre Experten in Sachen psychischen und physischen
Terror!
Ich hab es am eigenen Laib und Seele in diesen drei
Heimen von 1960 bis 1965 zu spüren bekommen!
Es gab aber
in Österreich eine Unzahl solcher Heime und deshalb gibt es hier
bestimmt auch 100.000de geschädigte und ausgebeutete Menschen
die noch heute damit zu kämpfen haben, dass sie im Heim waren
und wie mit ihnen dort verfahren wurde.
Ich erfuhr eine
Heimerziehung und wurde vom Staat erzogen! Aber derselbe Staat warf
mir meine Heimerziehung vor, wenn ich mir irgendwas zu schulden
kommen lies und dies war im Laufe meines Lebens sehr oft der
Fall.
Wenn ich an die Landeserziehungsanstalt Hartberg denke,
wo ich mich von 1961-1962 aufhalten musste, kommt mir heute noch das
reine Grauen
Ich war gerade erst mal 14 Jahre geworden und
kam vom Fegefeuer (Landeserziehungsheim Rosenhof bei Graz) direkt in
die Hölle nach Hartberg!
Das Ganze liegt nun schon 45
Jahre zurück und wenn ich an manche Situation denke dann kommt
es mir vor als wie wenn das gestern gewesen wäre.
In den
Sommerferien mussten wir in das sog. Waldlager. Das heißt, wir
mussten für Maier Melnhof, ein Adelsgeschlecht dem fast die
ganzen Wälder in der Steiermark gehören, Forstarbeiten
machen! Von Sonnenaufgang bis zum Sonnenuntergang! Ausforsten, Bäume
setzen usw. Damals hieb ich mir mit der sog. Braxe in die linke
Kniescheibe dass die Scheibe gespalten war und die Ärzte vom
Landeskrankenhaus Leoben mit Müh und Not eine Steifheit des
rechten Beines verhindern konnten.
Noch heute sehe ich die
Fahrt ins Krankenhaus vor mir Es dauerte fast zwei Stunden, bis ich
endlich im Spital war. Ich musste auf einer Puch 250 Maschine am
Sozius sitzen und so brachte mich der Gruppenerzieher Wagner aus dem
tiefsten Wald ins Spital nach Leoben! Und dann hat mir dieser Mensch
auch noch unterstellt dass ich mir absichtlich ins Knie gehackt hätte
um mich von der Arbeit zu drücken.
Der Gruppenerzieher
welcher uns da beaufsichtigte war der größte Sadist von
Hartberg! Jeder der Kinder hatte vom HERRN Wagner solche Angst dass
es sofort verstummte, wenn der Wagner in Anmarsch war. Beim Wagner
getraute sich auch fast niemand auf Flucht zu gehen wenn der Dienst
hatte. Der Wagner war ein kleines kräftiges Männchen mit
einem roten Vollbart und ich kann mich an Schläge von ihm
erinnern wo ich mich angekotzt hatte und ein paar Tage lang nicht
gehen und nicht liegen konnte! Ich hatte mir erlaubt, bei seinem
Nachtdienst, über den Blitzableiter vom zweiten Stock zu
flüchten.
Jede Flucht wurde mit einem "Haarschnitt"
bestraft, wenn man wieder ins Heim gebracht oder von einem Erzieher
von irgendwo geholt wurde. Meistens hatten sie die
Haarschneidemaschine gleich mit und man wurde gleich an Ort und
Stelle "behandelt". Man bekam entweder ein Kreuz oder eine
Tonsur. Von der Stirne in den Nacken und vom Linken zum rechten Ohr
oder es wurde einem ein Kranz rausgeschnitten. Jeder Erzieher hatte
halt seine Vorliebe und meistens wusste man schon wie man aussehen
wird, wenn ein bestimmter Erzieher Dienst hat.
Ich kann mich
erinnern dass man mich einmal irgendwo in Salzburg aufgegriffen hat.
Da steckte man mich in eine Jugendherberge und versperrte den Raum.
Als mich dann ein Erzieher aus Hartberg von dort abgeholt hat, hatte
er seine Frau und seine Tochter mit. Seine Worte hab ich nie
vergessen, ich schneid dir nur ein Kreuz, weil das geht schneller,
wir sind schon spät dran!
Niemand von der Jugendherberge
wunderte bzw. regte sich über solche Methoden eines Erziehers
auf. Anscheinend dürfte dies in den Augen des gelernten
Österreichers damals ganz normal gewesen sein!
Was den
Gruppenerzieher Wagner betrifft so wurde dieser nach einem Waldlager
verhaftet, weil er sich an irgend einem Kind sexuell vergangen hat.
Wir haben es nie erfahren wie es wirklich war, weil das Kind kam wo
anders hin aber der Wagner war weg und so gab es einen Sadisten als
Erzieher weniger!
Mit meinen Heimerlebnissen könnte ich
ein Buch füllen, was ich aber nicht vor habe.
Mir
schwebt nur eines vor, ich möchte dass es auch in Österreich
zu einer öffentlichen Sache wird was man uns als Heimkinder
angetan hat!
Leider sind schon sehr viele meiner Heimkollegen
aus der Kaiser Ebersdofer Zeit nicht mehr am Leben weil sie am Leben
gescheitert sind, aber es gibt immer noch Tausende welche die
Ungerechtigkeit die Schläge und Ausbeutung noch nicht
verarbeitet haben und denen möchte ich sagen, es ist keine
Bandenbildung wenn wir uns zusammentun und Rechenschaft für das
verlangen was die uns angetan haben im Namen des Staates!!!!!!
|