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Aktuelle
Ausgabe Diakonie Report ( Innere
Mission, München ) Nr. 35 - 2006 –– (
Seite 7 ):
"Systematische
Misshandlungen gab es nicht [
in der evangelischen Heimerziehung ]"
"Unser Ziel muss es sein, die wahren Zustände in den
Heimen damals zu erforschen": Michael Häusler,
Leiter des Archivs des Diakonischen Werks der Evangelischen
Kirche in Deutschland (EKD). Foto: privat
Michael
Häusler, Leiter des Archivs des Diakonischen Werks der EKD,
beschäftigt sich als promovierter Historiker und von Berufs
wegen mit der Heimkinder-Thematik.
Wie ernst nimmt die
Diakonie die Vorhaltungen ehemaliger Heimkinder, sie seien in
kirchlichen Heimen systematisch geschlagen, unterdrückt und
als Arbeitssklaven missbraucht worden?
Wir nehmen die
Berichte sehr ernst. Ziel ist es, Aufklärung über die
pädagogischen Konzepte zu bekommen und über die
wirklichen Zustände in den Heimen damals. Bislang gibt es
keine Anhaltspunkte dafür, dass Kinder und Jugendliche,in den
Heimen systematisch misshandelt oder unterdrückt wurden. Klar
ist, dass die damaligen pädagogischen Vorstellungen unseren
heutigen nicht mehr entsprechen – und zum Teil sogar
widersprechen.
Welche der Vorwürfe halten Sie denn
für gerechtfertigt?
Die Vorwürfe der
Betroffenen sind nicht in Frage zu stellen: Es sind persönliche
und oft erschütternde Erinnerungen an Misshandlungen und
Erniedrigungen und als solche bedeutsam. Inwiefern diese Zeugnisse
repräsentativ sind, muss jetzt erforscht werden. Der Vorwurf,
die konfessionelle Pädagogik sei schuld, trifft wohl kaum zu.
Insbesondere muss ich zurückweisen, dass dies angeblich auf
Johann Hinrich Wichern zurückgeht: In dessen pädagogischem
Werk steht zehnmal mehr von Freiheit drinnen als von Strafe. Auch
der Vorwurf, die Diakonie habe sich nie mit den Heimkindern
beschäftigt, trifft nicht zu: Im Zuge der Reformdiskussion am
Ende der 60er Jahre ist das Thema ausführlich verhandelt
worden.
Wie wird die Diakonie mit diesem brisanten Thema
weiterhin umgehen?
Auf Ebene der Heime sind bereits
Kontakte zu Ehemaligen entstanden; weitere werden angeregt. Wir
sind überzeugt davon, dass diese Auseinandersetzung an der
Basis den Betroffenen am besten hilft. Weiterhin plant das
Diakonische Werk der EKD eine Fachtagung in diesem Jahr; zudem
bereiten wir eine wissenschaftliche Studie vor.
Wäre
es nicht angebracht, sich zu entschuldigen?
Eine
sinnvolle Entschuldigung kann nur erfolgen, wenn zwischen beiden
Seiten Übereinstimmung in der Feststellung der Tatsachen
besteht. Man muss wissen, wofür man sich entschuldigt. Ein
klares Bild der gesamten evangelischen Heimerziehung der
Nachrkriegszeit gibt es aber derzeit noch nicht. So lange diese
umfassende Studie nicht vorliegt, halte ich eine pauschale
Entschuldigung durch den Präsidenten des Diakonischen Werks
oder auch durch andere Repräsentanten der Diakonie nicht für
sinnvoll.
Die Fragen stellte Klaus Honigschnabel
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