Der Betreiber dieser nichtkommerziellen Webseite ist der hoch-engagierte Martin Mitchell in Australien (ein ehemaliges “Heimkind” in kirchlichen Heimen im damaligen West-Deutschland)

UNSERE KIRCHE (UK) – Wochenzeitschrift der Evangelischen Kirche in Westfalen
und Lippe vom 21.05.2006 – Seite 6 – Rubrik "DIAKONIE" – mit der Überschrift
"Eine Vertrauensperson fehlte"
( so sagen Ehemalige Heimkinder ).
VERGANGENHEITSBEWÄLTIGUNG – Bethel stellt sich seiner Vergangenheit.
Bericht von Karin Ilgenfritz über eine Veranstaltung in Diakonie Freistatt am 4. Mai 2006.

[ Re: Veranstaltung in der Moorkirche in Diakonie Freistatt, Donnerstag 4. Mai 2006 ]

„Eine Vertrauensperson fehlte“

VERGANGENHEITSBEWÄLTIGUNG –
Bethel stellt sich seiner Vergangenheit.
In der Einrichtung in Freistatt wurden in den 50er und 60er Jahren Jugendliche zum Torfabbau herangenommen


VON KARIN ILGENFRITZ

Nein, heute sind solche Zustände undenkbar: 40 Jugendliche in einem Schlafsaal, schwere körperliche Arbeit von morgens bis abends und wer nicht pariert, wird weggesperrt oder geschlagen. "Das war schrecklich. 14 Heime habe ich hinter mir, meine Mutter hat mich einfach im Säuglingsheim liegen gelassen", sagt ein Mann, der seinen Namen nicht nennt. "Heute noch leide ich unter der Zeit in den Heimen.“ Er ist sichtlich aufgewühlt. Mit am schlimmsten sei die Zeit in der Diakonie Freistatt gewesen.

Und doch ist er nun wieder nach Freistatt gekommen. Die Einrichtung in der niedersächsischen Moorgegend gehört zu den v. Bodelschwinghschen Anstalten Bethel und hatte ehemalige Heimkinder zu einer besonderen Veranstaltung eingeladen. Nach der Veröffentlichung des Buches "Schläge im Namen des Herrn" von Spiegel-Journalist Peter Wensierski schlugen die Wellen hoch. Wensierski hatte in zahlreichen deutschen Heimen über die Zeit in den 50er und 60er Jahren recherchiert. Das Ergebnis: Viele Heimzöglinge verbrachten Jahre unter heute unvorstellbaren Bedingungen. Die Leserbriefe, die UK [UNSERE KIRCHE] in den letzten Wochen erreichten, bestätigen, dass viele Menschen in verschiedenen Heimen ähnliche Erfahrungen gemacht haben.

Im Zuge der Aufarbeitung dieses Themas folgten über dreißig ehemalige Fürsorgezöglinge der Einladung in die Diakonie Freistatt. Darunter auch jener Mann, der so viele Jahre in Heimen zugebracht hat: "Ich möchte die Gespenster der Vergangenheit loswerden." Die Ehemaligen konnten sich bei einem Rundgang einen Eindruck des heutigen Heimes verschaffen. Wer wollte, bekam eine Kopie seiner Akte. Und am Abend gab es eine Lesung mit Peter Wensierski mit anschließender Diskussion.

"Wir mussten arbeiten, wurden gedemütigt, geschlagen und konnten nie darüber reden", sagte der Mann, dessen Heimkarriere bereits als Säugling begann. Sich niemanden anvertrauen zu können – das war auch für Willi Komnick mit das Schwerste. "Mir hat immer eine Vertrauensperson gefehlt." Außerdem war für viele Heimkinder damals schlimm, dass sie meist garnicht wussten, warum sie in einem Heim sind. "Bis heute ist mir ist das nicht klar", sagt Komnick. Über vierzig Jahre sind seit seiner Heimzeit vergangen. Mit acht Jahren kam er in ein Kinderheim und später nach Freistatt, wo nur junge Männer waren [
sic = "Jungens im Alter von 14 bis 21 Jahren" ( gemäss den Aussagen in verschiedenen Jubiläumsbroschüren betreffend der Anstalt Freistatt im Wietingsmoor], die vor allem in der Torfproduktion arbeiteten.

Der Rundgang durch Freistatt und der Blick in seine Akte bringt viele Erinnerungen hoch. Komnick hat an die Erzieher keine besonders guten Erinnerungen. "Sie sind nicht gerade zimperlich mit uns umgegangen." Der andere Mann fällt ihm ins Wort: "Geprügelt wurden wir, Bastard musste ich mich schimpfen lassen, die Erziehern waren brutal!" Er wird laut und macht den Erziehern aus der damaligen Zeit, bittere Vorwürfe.

Ein ehemaliger Erzieher meldet sich zu Wort. "Wir wussten damals, dass manches nicht richtig war. Aber oft wussten wir uns nicht anders zu helfen." Damals sei die 93-Stunden Woche für sie üblich gewesen. "Es waren einfach schwere Zeiten." Das reicht dem aufbrausenden ehemaligen Zögling nicht, er schimpft weiter "Was?", ruft er, "Willst Dich entschuldigen?"

Peter Wensierski greift ein. "Ich kenne nur wenige Erzieher, die sich den Fragen und Anklagen stellen", sagt er. "Und wenn jemand so mutig ist und das macht, sollte man nicht auf ihn eindreschen." Auch Pastor Wolfgang Tereick, Geschäftsführer von Freistatt, beschwichtigt den aufgeregten Mann. Und er weiß, dass in Freistatt vieles im Argen war. "Es hieß damls: Freistatt statt Zuchthaus. Dementsprechend sind viele Erzieher mit den Jungs umgegangen." Dass auch genügend Nicht-Straffällige unter den harten Händen litten, sei hingenommen worden.

Am Ende schließlich war ein ruhiges Gespräch möglich. Willi Komnick hat der Tag gut getan: "Ich fahre jetzt anders nach Hause. Für mich war der Tag ein wichtiges Detail, um mit meiner Heimvergangenheit besser zurechtzukommen."

Vor etwa zwei Jahren gründeten Betroffene den Verein ehemaliger Heimkinder e.V.. Kontakt: Telefon: (05535) 91038, Dienstag bis Freitag von 16 bis 19 Uhr und Samstag von 13 bis 16 Uhr; E-Mail: Anlaufstelle@vehev.org; Internet: www.vehev.org.

"Historie der Heimerziehung" ist das Thema einer Fachtagung am 23. Mai ab 9 Uhr im Dietrich Bonhoeffer Haus in Paderborn. Zum Program gehört eine Lesung mit Peter Wensierski. Anmeldung unter Telefon: (05642) 981344.


Die Nutzung eckiger Klammern für spezifische Zwecke ist international: eckige Klammern werden benutzt um zu kennzeichnen, dass ein Wort oder einText so eingeklammert, nicht im zitierten oder reproduzierten Original vorhanden ist, aber zur besseren Erklärung hinzugefügt worden ist.

»Das Symbol "sic" kommt aus dem Lateinischen und nach Aussage des DUDEN bedeutet "so, ebenso; wirklich so ! (mit Bezug auf etwas Vorangegangenes, das in dieser [falschen] Form gelesen oder gehört worden ist)".« Das hier in eckigen Klammern gesetzte Wort, steht genau so in diesem vom DUDEN zitierten Text.

Zur Hervorhebung – fette, kursive und farbige Schrift vom hiesigen Webseitenbetreiber hinzugefügt.

[ Erstveröffentlichung auf dieser Webseite: 14. September 2006 ]


Medienberichte zu der Veranstanltung mit SPIEGEL-Buch Autor und Journalist Peter Wensierski
in der Moorkirche in Diakonie-Freistatt am Donnerstag den 4. Mai 2006


Subindex Nr. 16

Evangelische Zeitung (EZ) – Christliche Wochenzeitung für Niedersachsen Nr. 19/
14.05.2006. Überschrift, Titelseite: "Schläge im Namen des Herrn""Diakonie Freistatt
stellt sich seiner dunklen Vergangenheit: Ehemalige Zöglinge berichten von ihren Qualen"
.
Artikel betreffend der Veranstaltung in Freistatt mit SPIEGEL-Buch Autor und Journalist
Peter Wensierski am 04.05.2006: Buchlesung mit anschließender eingehender Diskussion.


Diakonie-Freistatt Pressemitteilung vom 5. Mai 2006 betreffend der Veranstaltung
in Freistatt mit SPIEGEL-Buch Autor und Journalist Peter Wensierski am 4. Mai 2006.
Bericht veröffentlicht im Internet-Auftritt der Diakonie-Freistatt
@ http://www.diakonie-freistatt.de/presse_print.php?id=217


DER RING – Monatszeitschrift der v. Bodelschwinghschen Anstalten Bethel, Juni 2006:
Heimkinder Debatte in der Diakonie Freistatt „Die Wahrheit darf niemand in Frage stellen“.
Umfangreicher Bericht von Bethel-Sprecher Jens U. Garlichs, auf Seite 8 und 9.
'Bethel-Vorstandsmitglied Dr. Rolf Engels ergreift schließlich eindeutig Partei
für die ehemaligen Heimkinder: "Alles, was Sie erzählen, muss uns angehen,
die Wahrheit rührt uns an und Ihre Wahrheit darf niemand in Frage stellen.
Wir hören mit tiefer Betroffenheit zu und verschließen uns Ihnen nicht."'


Frankfurter-Allgemeine – FAZ.NET – vom 16.05.2006 – Damalige Heimerziehung:
"Nichts für zartbesaitete" – "Geschichte der Heimkinder in der frühen Bundesrepublik".
Mehr als eine halbe Million deutsche Kinder und Jugendliche waren
bis in die siebziger Jahre in etwa 3000 Erziehungsheimen untergebracht,
80 Prozent davon in kirchlicher Hand.
Zusätzlich, ein Leserbrief zu diesem Artikel.


In Anstalt Freistatt, einem Ableger der v. Bodelschinghschen Anstalten in Bethel
waren damals rund 400 14-21jährige Jungens untergebracht, die oft jahrelang
im Sommer sowie im Winter unbezahlt im Moor schuften musten.
Donnerstag den 4. Mai 2006: Lesung in der Moorkirche von Peter Wensierski
aus seinem am 07.02.2006 veröffentlichten Sachbuch "Schläge im Namen des Herrn
Die verdrängte Geschichte der Heimkinder in der Bundesrepublik". Aufarbeitung.
Ehemalige Zöglinge besuchen erstmals nach Jahrzehnten wieder diese
Fürsorgeeinrichtung, in der sie damals auch geschlagen wurden.


Artikel aus der aktuellen Ausgabe "Die Wochenpost" – Unabhängige Wochenzeitung
für die Landkreise Diepholz und Nienburg – in der Ausgabe vom 3. Mai 2006:
"Blick auf die Freistätter Vergangenheit" betreffend einer Veranstaltungsansage
für eine Lesung in der Diakonie Freistatt Moorkirche mit SPIEGEL-Buch Autor und
Journalist Peter Wensierski aus seinem am 07.02.2006 erschienenen Sachbuch "Schläge
im Namen des Herrn – Die Verdrängte Geschichte der Heimkinder in der Bundesrepublik"
,
am Donnerstag den 4. Mai 2006, mit anschließender eingehender Diskussion.


UNSERE KIRCHE (UK) – Wochenzeitschrift der Evangelischen Kirche in Westfalen
und Lippe vom 21.05.2006 – Seite 6 – Rubrik "DIAKONIE" – mit der Überschrift
"Eine Vertrauensperson fehlte"
( so sagen Ehemalige Heimkinder ).
VERGANGENHEITSBEWÄLTIGUNG – Bethel stellt sich seiner Vergangenheit.
Bericht von Karin Ilgenfritz über eine Veranstaltung in Diakonie Freistatt am 4. Mai 2006.


Syker-Kurier: Aktuelle Ausgabe vom 18.03.2006 – Artikel von Redakteur Ulrich Tate
(Gruppe der – Bremer Tageszeitungen AG (BTAG), zu der der Weser-Kurier gehört):
"Peter Wensierski schrieb ein Buch über brutale Methoden der Heimerziehung"
in "Schläge im Namen des Herrn – Die verdrängte Geschichte der Heimkinder in der
Bundesrepublik"
(ISBN 342105892X), erschienen im SPIEGEL-Verlag am 07.02.2006.


Diakonie Freistatt – Aufarbeitung der Heimerziehung in der Nachkriegszeit.
Online-Artikel @ www.kirchenkreis-diepholz.de und auch in den aktuellen Ausgaben
des Diepholzer-Kreisblatt und der Sulinger-Kreiszeitung vom 18. März 2006.
Re: SPIEGEL-Buch "Schläge im Namen des Herrn", Autor Peter Wensierski.
Pastor Wolfgang Tereick: "Auch in Freistatt wurden Fürsorgezöglinge geschlagen".


Evangelische SONNTAGS-ZEITUNG – Christliches Leben in Hessen und Nassau
vom 5. März 2006 – Seite 9 – Rubrik "HINTERGRUND" – mit der Überschrift
"Schläge im Namen des Herrn""Kirchliche Kinderheime und ihre Methoden
in den 50er und 60er Jahren stehen am Pranger"
Von Wolfgang Plischke.
Artikel betreffend dem SPIEGEL-Buch "Schläge im Namen des Herrn –
Die verdrängte Geschichte der Heimkinder in der Bundesrepublik"

von Autor und Journalist Peter Wensierski, erschienen am 7. Februar 2006.


Betreffend SPIEGEL-Buch: "Schläge im Namen des Herrn –
Die verdrängte Geschichte der Heimkinder in der Bundesrepublik"

Buch-Rezension, Oktober 2006, von Prof. Barbara Rose, Sozialpädagogin,
Rektorin bis 30.09.2006 – Evangelische Fachhochschule für Sozialpädagogik
der "Diakonenanstalt des Rauen Hauses", Hamburg.

( Rezension veröffentlicht in dem zweimonatlichen evangelischen Magazin "Der Bote" )


Buchrezension von Sven Steinacker. Rezension des SPIEGEL-Buches
von Peter Wensierski:
"Schläge im Namen des Herrn -
Die verdrängte Geschichte der Heimkinder in der Bundesrepublik"
.
Diese Rezension erschien im
Sozialwissenschaftliche Literatur Rundschau 54,
Heft 1/2007, S. 107-109.


Buchrezension von Prof. Dr. Peter Schütt vom 08.10.2007, re SPIEGEL-Buch
von Peter Wensierski: "Schläge im Namen des Herrn -
Die verdrängte Geschichte der Heimkinder in der Bundesrepublik"
.
Diese Rezension erschien am 11.10.2007 im Internetauftritt
socialnet.de.


Aufschlußreicher Artikel aus der katholischen ORDENSKORRESPONDENZ:
Zeitschrift für Fragen des Ordenslebens - Nr. 47, Jahrgang 2006, Heft 2.
Buchrezension von
Joachim Schmied. Rezension des SPIEGEL-Buches
von Peter Wensierski:
"Schläge im Namen des Herrn -
Die verdrängte Geschichte der Heimkinder in der Bundesrepublik"
.




Martin Mitchell – Fotos aus seiner Kindheit und Jugendzeit
(chronologisch arrangiert – 1946-1964 – von unten aufwärts)


Die Leidensgeschichte des damalig staatenlosen Jugendlichen Martin Mitchell
in westdeutscher “Fürsorgeerziehung” in den 1960er Jahren, geschildert und
belegt an Hand von aktuellen Schriftstücken aus der “Fürsorgeerziehungsakte”
damalig geführt von der Anstaltsleitung der Betheler Zweiganstalten Freistatt –
Anstalt Freistatt im Wietingsmoor
(Kreis Diepholz, Niedersachsen) – Teilanstalt
der v. Bodelschwinghschen Anstalten Bethel
(bei Bielefeld, Nordrhein-Westfalen).

( Akte erhalten in Australien am 16. Mai 2006.
)



► Heimkinder: Gratis Studienmaterial und Information für alle. Extensive Recherche
und Analyse der Geschichte der bundesrepublikanischen Heimerziehung und
Fürsorgeerziehung
(FE) über mehrere Jahrzehnte nach dem Zeiten Weltkrieg
(Westdeutschland ca 1945-1985), geschildert vom Standpunkt der Opfer.




Siehe auch "Ehemalige Heimkinder" @ heimkinderopfer.blogspot.com und heimkinderopfer2.blogspot.com


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