Der Betreiber dieser nichtkommerziellen Webseite ist der hoch-engagierte Martin Mitchell in Australien (ein ehemaliges “Heimkind” in kirchlichen Heimen im damaligen West-Deutschland)

( 01.09.2004 )

"Mädchenknast" – Dortmunder Vincenzheim – auch hier werden Heimkinder weitergehend hinter Mauern gefangen gehalten und als unentlohnte Arbeitskräfte – Zwangsarbeiter – von der Katholischen Kirche von Deutschland ausgebeutet – ausgebeutet und misshandelt, nicht nur im Vincenzheim selbst, aber auch in dem, dem Vincenzheim angeschlossenen, katholischen Wirtschaftsunternehmen, der Waschanstalt / Großwäscherei der Paderborner Vinzentinerinnen, wo viele dieser Mädchen arbeiten müssen.

EXTRABLATT – ARBEITER-SELBSTHILFE DORTMUND (ASD) – DORTMUNDER VOLKSBLATT – Beilage zum "Klüngelkerl" – Ausgabe September 1977.

"Helft uns! Bitte! Wir haben Angst!"

Am Dienstag, den 23.8.77 flog aus dem Dortmunder Mädchenerziehungsheim Vincenzheim, Oesterholzerstraße 85-91, aus dem 4. Stock, der oben abgebildete Zettel auf die Straße. Was war passiert? Ein Mitglied der Arbeiter-Selbsthilfe Dortmund (ASD) hatte angekettet ca 1 Stunde am Eingangstor des berüchtigten Mädchenknasts gehangen. Ungefähr 150 Passanten hatten sich nach kurzer Zeit auf der Oesterholzerstraße versammelt. Wir verteilten an sie Flugblätter mit dem folgenden Inhalt:

AN KETTEN GELEGT . . .

werden ca 130 Mädchen im Dortmunder Mädchenerziehungsheim Vincenzheim, Oesterholzerstraße, vor allen Dingen von der unumschränkten Herrscherin : Schwester Vincentine. Um dieses auch den Bewohnern der umliegenden Straßen zu verdeutlichen, hängt heute ein Mitglied der Arbeiter Selbsthilfe Dortmund angekettet an dem Eingangstor dieses mitten in Dortmund liegenden und von hohen Mauern abgeriegelten Mädchenknasts.

EIN SKANDAL NACH DEM ANDEREN . . .
dringt seit Jahren in regelmäßigen Abständen aus diesem großen Kerker an die Öffentlichkeit. Die 70-jährige Geschichte dieses sogenannten Erziehungsheims ist gekennzeichnet durch skrupellose Unterdrückung von jungen Mädchen und jungen Müttern, durch Verunselbständigung und Entmündigung. Früher mit 21 Jahren, heute mit 18 Jahren, werden diese dort gebrochenen Mädchen von heute auf morgen auf die Straße gesetzt und bleiben in aussichtsloser Lage ihrem Schicksal selbst überlassen. Die eine wird Prostituierte, die andere treibt sich als Treber auf der Straße herum, die dritte landet im Irrenhaus, die vierte im Knast.

ZAHLREICHE UNTERDRÜCKUNGSMETHODEN . . .

werden seit Jahren ausgeklügelt und praktiziert, um die Mädchen mürbe zu machen: wochenlange Ausgangssperre, Briefzensur, Zerstörung von Freundschaften, tagelanger Strafarrest in einer Zelle, Isolation von den Verwandten, Zwang zu stupiden Arbeiten, Gottesdienstzwang, miese ärztliche Versorgung, sogar zum Essen von überfetteter Wurst und verschimmeltem Brot wird gezwungen.

DIE MÄDCHEN WEHREN SICH . . .
gegen die Zerstörung ihrer Persönlichkeit so gut sie können. Vor einem Jahr sind innerhalb von wenigen Monaten allein 30 geflohen. davon sind 8 Mädchen zu uns gekommen. Wir haben dafür gesort, daß sie alle freie Menschen wurden, 2 von ihnen leben seit über einem Jahr bei uns. Damals mußte aufgrund unsere zahlreichen Proteste der Heimarzt Dr. Wagner fristlos entlassen werden. Wegen Fahrlässiger Körperverletzung ist er erst im Mai dieses Jahres vom Gericht verurteilt worden. Grundsätzlich wurde im Heim aber nichts verbessert. Im Gegenteil, die Mädchen sind verschärften Bedingungen ausgeliefert.

ERSCHÜTTERNDE BERICHTE . . .

teilten uns erst in jüngster Zeit Ruth G., Agnes K. und Gudrun H. mit, alle drei bis vor kurzem Vincenzheiminsassen. Wir forderten daraufhin die leiterin Schwester Vincentine schon vor sechs Wochen auf, zu den Anschuldigungen Stellung zu beziehen. Bis heute keine Antwort. – Offensichtlich hat sie etwas zu verbergen; und die Vorwürfe sind mehr als berechtigt.

WIR BESETZTEN DAS VINCENZHEIM
vor drei Wochen, um die Öffentlichkeit auf diese skandalösen Zustände aufmerksam zu machen. Wir haben Vertreter der Katholischen Kirche von Deutschland, den Caritasverband, das Jugendamt Dortmund, die Vereinigten Kirchenkreise und das Landesjugendamt in Münster als Aufsichtsbehörde informiert, und aufgefordert, sich für die Mädchen einzusetzen, – bisher ohne Erfolg.

HERR KÖSTER, JUGENDAMTSLEITER IN DORTMUND!!!
hat uns klar gesagt: Ich verteidige die Zustände im Vincenzheim so lange wie möglich; ich persönlich schütze Schwester Vincentine. Gemeinsam mit Herrn Happe, Direktor des Landesjugendamtes, ist Köster ein persönlicher Freund von Schwester Vincentine und ist als Drahtzieher im Hintergrund an erster Stelle mitverantwortlich. Pastor Niedermeyer und Vikar Stemmermann von der Dreifaltigkeitsgemeinde üben sich in vornehmer Zurückhaltung.

WIR FORDERN:
SCHLUSS MIT DEN UNMENSCHLICHEN ZUSTÄNDEN; WEG MIT SCHWESTER VINCENTINE; SOFORTIGE FREILASSUNG ALLER MÄDCHEN; STAATSANWALTLICHE ÜBERPRÜFUNG; SOFORTIGE SCHLIESSUNG DES VINCENZHEIMS!
Wir nehmen jeden auf, der sich selber dieser Unterdrückung entzieht!

Wie üblich bei solchen Aktionen – wie unser Protest am 23.8.77 – erschien nach einiger Zeit die Polizei. Sie hatten den Auftrag, wie Herr Baier, Stellvertretender Leiter der Schutzwache Nord (Steinwache) wörtlich sagte "offensichtlich unfreiwillig Angekettete zu befreien". Wir sagten ihm, daß wir unser Mitglied schon selbst vom Tor holen würden, wenn er den 112 jungen Frauen im Vincenzheim endlich ihre Freiheit wiedergeben würde. Darauf ließ er sich natürlich nicht ein. Nach einer weiteren halben Stunde war auch die Feuerwehr da und die Ketten wurden mit einem Bolzenschneider aufgeknackt. – Noch lange blieben die Leute an der Straße stehen. Viele Ältere verstanden unseren Protest nicht. Andere konnten aber selbst schlimme Eindrücke vom Vincenzheim aus eigener Erfahrung berichten. Drei Passanten waren selbst als Betroffene im Heim gewesen und bekräftigten unsere Vorwürfe.





1928


Ähnliche Arbeit in Wäscherei und Schneiderei bei den Nonnen im Kloster "Haus Conradshöhe" in Berlin-Tegel.

Das Grundstück wurde nach der West- und Südostseite erweitert. Der Garten wurde angelegt.
Am 31.Oktober erfolgte die Grundsteinlegung für die Kapelle und den neuen Wohnflügel. Damit waren Plätze für 140 schulentlassene Jugendliche geschaffen.Die Mädchen wurden im Schneidern, Nähen, Waschen, Plätten, Gartenbau und in der Vieh- und Landwirtschaft ausgebildet.

1931

Die Wirtschaftsräume wurden um Stall und Scheune erweitert. 1932 erfolgte die Einrichtung einer eigenen Bäckerei.
Ende des Jahres 1931 wurde eine Psychopathen-Abteilung eingerichtet, die durchschnittlich 15-18 Jugendliche zählte. Ende 1932 wurde diese Gruppe wieder aufgelöst.

1933

Von 1933 bis zum Zusammenbruch 1945 befand sich in Haus Conradshöhe die Aufnahme- und Beobachtungsabteilung für alle in GroßBerlin der Fürsorge überwiesenen katholischen Mädchen. Die Einweisung erfolgte über die Berliner Behörden hinaus auch von den Jugendämtern des Reiches. Haus Conradshöhe war als Kranken- und Erziehungsheim anerkannt.

1934

Im September wurde eine Abteilung mit 22 Betten für vorschulpflichtige Kinder von 3-6 Jahren eingerichtet.

1945

Haus Conradshöhe richtete eine Wöchnerinnen-Abteilung ein, die im Juni 1946 wieder aufgehoben wurde.
Am 1.Juli 1945 wies die Statistik 52 Mädchen und 8 Kinder auf. Am 14. August 1945 wurden 50 schulpflichtige Jungen und Mädchen -Flüchtlinge und Waisen- aufgenommen. Der Unterricht erfolgte im Hause.





( Hinzugefügt von dem Betreiber dieser Webseite: Heimkinder-Ueberlebende.org )

( Enthoben vom Internet @ www.haus-conradshoehe.de/uns/Haus.html )



Haus Conradshöhe, Berlin-Tegel.
Im Jahre 1960: Mädchen arbeiten in der Grosswäscherei, unter Beaufsichtigung von Nonnen.


Ähnliche Arbeit in Wäscherei und Schneiderei bei der Diakonie:

Im September 1875 gründeten engagierte Bürger und Pastoren den Landesverein für Innere Mission in Schleswig-Holstein, um sozialen Nöten aus christlichem Glauben zu begegnen. Obwohl sie den Landesverein eigentlich als Initiator und Förderer diakonischer Arbeit begründet hatten, wurde diese Fördertätigkeit bald durch den Aufbau eigener Einrichtungen ergänzt.

Im Jahr 1883 errichtete der Landesverein die erste eigene Einrichtung: die Arbeiterkolonie in Rickling. Es war die dritte von insgesamt 33 Arbeiterkolonien im Deutschen Reich.

Hauptarbeitsgebiet des Landesvereins von 1900 bis 1932 war die Erziehungsarbeit. Der Anfang wurde mit der Einrichtung des Frauenheims in Innien gemacht. Aufgenommen wurden sogenannte "gefallene Mädchen": von der Familie ausgestoßene geächtete junge Frauen. Sie waren an einer Gesellschaft mit engen Moralvorstellungen, nach denen Frauen ein eigenständiges Leben weitgehend verwehrt war, „gescheitert“.

Als Arbeitsfeld wurde als erstes eine Lohnwäscherei eingerichtet. Die Zöglinge hatten die Verpflichtung zur Weiterbildung: Mit einer fundierten hauswirtschaftlichen Ausbildung sollte die Grundlage für die Vermittlung in Stellungen gelegt werden. Nach dem Krieg wurde die Arbeit fortgesetzt, 1968 aber aufgegeben.

( Hinzugefügt von dem Betreiber dieser Webseite: Heimkinder-Ueberlebende.org )

( Enthoben vom Internet @ www.landesverein.de/main.php3?seite=294&rel0=203&rel1=&rel2=&menu=5 )



1960er Jahre: Grosswäscherei der Diakonie in Schleswig-Holstein


Für die Mädchen war es meistens Waschen und Bügeln und Nähen, und für die Jungens das Moor, der Steinbruch, der Strassenbau oder die Landwirtschaft. Lohngelder aber gab es nicht !
In der Vergangenheit wurden Heimkinder oft aus nichtigen Gründen ihren Eltern entrissen. Die Erziehung wurde häufig vom Staat den konfessionellen Heimen überlassen. Schikanen, menschenverachtende und entwürdigende Behandlungen waren an der Tagesordnung. Kinderarbeit (obwohl womöglich anderswo, ausserhalb der Heime, gesetzlich verboten) war in den Heimen Normalität. Die unsäglichen Einzelschicksale lassen sich kaum in Worte fassen.

Nach der Veröffentlichung des Spiegel-Artikels und des Films “Unbarmherzige Schwestern” meldeten sich hunderte von Betroffenen aus ganz Deutschland. Die ehemaligen Heimkinder leiden noch heute unter der Traumatisierung, die sie in den meist streng geführten Häusers erlebt haben. Frauen haben aus Scham ihren Männern verschwiegen, dass sie in einem Heim aufgewachsen sind.

Sie – “Ehemalige Heimkinder” – wollen das ihnen angetane Unrecht nicht länger auf sich beruhen lassen und wollen aktiv an der Aufarbeitung dieses Kapitels jüngster deutscher Geschichte mitwirken.
Viele dieser “Heimkinder” stehen mit ihrem Schicksal allein da – ohne professionelle Hilfe – ganz zu schweigen von einer finanziellen Entschädigung. Im Jahr 1960 gab es in der Bundesrepublik Deutschland ingesamt 3000 konfessionelle Heime mit 220000 Plätzen. Offizielle Zahlen, wie viele Menschen dieser besonderen Art der Heimerziehung in damaligen West-Deutschland (1945-1985) zum Opfer gefallen sind, gibt es nicht.

( Hinzugefügt von dem Betreiber dieser Webseite: Heimkinder-Ueberlebende.org )


Aktion Wäschewagen
Drei Wochen vorher hatten wir schon eine Aktion gegen die unmenschlichen Zustände im Vincenzheim unternommen. Wir waren versteckt in einem Wäschewagen bis zur Eingangstür, der dem Heim angeschlossenen Waschanstalt vorgefahren und mit 13 Leuten über die Wäscherei in die einzelnen Gruppen und Arbeitsräume gegangen. Wir gaben den Mädchen Zigaretten (woran großer Mangel herrscht), und gaben ihnen Informationen über unsere Arbeit und über die Möglichkeiten frei zu kommen. Wir verteilten folgendes Flugblatt unter ihnen:

AN DIE MÄDCHEN IM VINCENZHEIM
Wir, die Arbeiter-Selbsthilfe Dormund (ASD), früher Dortmunder Selbsthilfe (DSH), haben im letzen Jahr schon die Mißstände im Vincenzheim öffentlich angeprangert. Damals sind 30 Mädchen aus dem Heim abgehauen, 8 sind zu uns gekommen. Wir haben sie legalisiert, so daß sie nicht mehr zurück ins Vincenzheim brauchten. Durch die Berichte und Anzeigen der Mädchen haben wir erreicht, daß Dr. Wagner abgesetzt worden ist. Er hat in seiner Zeit 70% der Mädchen durch seine unsterilen Untersuchungsmethoden Tripper angehangen. Er wurde auch vom Gericht verurteilt. Vor ein paar Wochen hat uns nun Ruth G. aus der Barbaragruppe erzählt, daß der Druck höchstens noch größer geworden ist. Sie selber war vor kurzem für eine Woche in der Isolierzelle (Klabums). Schwester Vincentine hat ihr gedroht, daß sie ihre Gesellenprüfung nicht zu Ende machen dürfe. Ruth hat sich aber dann mit der zuständigen Berufschule in Verbindung gesetzt und wurde unterrichtet, sie darf weitermachen. Inzwischen wohnt sie bei ihren Pflegeeltern. Ruth hat uns auch erzählt, daß Schwester Vincentine im Heim erzählt, daß die Leute, die damals zu uns abgehauen sind und Flugblätter gegen sie geschrieben haben, heute alle im Knast sitzen würden. Da lügt Schwester Vincentine! Martina und Daniella sind schon über ein Jahr bei uns. Die anderen sind bei ihren Eltern, machen eine Lehre und/oder haben ein Zimmer draußen. Wenn ihr zu uns abhaut, legalisieren wir Euch entweder bei uns oder, wenn ihr zu Euren Eltern wollt bei ihnen; so sorgen wir dafür, daß Ihr auch zu Hause bleiben könnt.

SETZT EURE RECHTE DURCH
Daniele Hermesmeier und Martina Loseries, die damals auch abgehauen sind, sind immer noch Mitglieder unseres Vereins. Wir haben uns entschlossen, weiter mit Euch zusammen gegen die Mißstände im Vincenzheim zu kämpfen. Wir werden durch die Presse, durch Flugblätter, und durch Informationsstände in der Stadt, die Öffentlichkeit mobilisieren. Wir haben zuständige Behörden und Verbände informiert und uns mit ihnen in Verbindung gesetzt. Je größer der Druck wird, vor allem von Euch aus, desto eher wird sich etwas ändern.

Was ihr machen könnt: Ihr könnt gemeinsam Arbeitsverweigerungen machen und fordern, daß Ihr Eure Lehre und Schule auch außerhalb des Vincenzheims machen könnt. Ihr könnt gemeinsam mit Euren Eltern fordern, daß Ihr öfter Ausgang bekommt. Ihr könnt mengenweise Zigaretten vom Ausgang mitbringen und fordern, daß Ihr rauchen könnt, wann Ihr wollt, so daß Schwester Vincentine Euch nicht mit Zigarettenentzug drohen kann. Ihr könnt fordern, daß niemand mehr in die Zelle kommt. Ihr könnt fordern, daß Eurer Taschengeld nicht mehr die Nonnen verwalten, sondern daß Ihr damit in die Stadt gehen dürft und über Euer eigenes Geld bestimmen könnt. Die Mütter können fordern, daß sie öfters zu ihren Kindern dürfen. Fordert von Schwester Vincentine, daß Ihr Euch aussuchen könnt, mit welchem Mädchen Ihr in eine Gruppe kommt.

Wir werden Euch öfters besuchen. Wir werden Euch weiter unterrichten, über alles was wir draußen machen. Leute, laßt Euch nicht unterkriegen von den Nonnen! Wir werden Euch nach besten Kräften unterstützen.

Jetzt stellen wir uns noch kurz vor:

ARBEITER-SELBSTHILFE DORTMUND (ASD)
Wir sind Leute, die aus Heimen und Klapsmühlen abgehauen sind und aus dem Knast entlassen worden sind. Außerdem sind noch zwei ehemalige Studenten bei uns. Wir haben zwei Lastkraftwagen und zwei Gebrauchtmöbelläden. Von dem Geld leben wir und sind somit unabhängig von staatlichen Geldern. Jeden Morgen um 8.30 Uhr haben wir Arbeitssitzung, wo die Arbeit besprochen und eingeteilt wird. Außerdem besprechen wir interne Probleme und, zum Beispiel auch, wie wir weiter gegen das Vincenzheim vorgehen können. Wir kämpfen zur Zeit auch noch gegen einen Klapsmühlenkonzern mit Namen Sozialwerk Sankt Georg. Zu unserer Arbeit gehört auch noch Essenkochen, Flugblätter schreiben, Telefondienst; und manchmal müssen wir mit armen Leuten zur Begleitung zum Jugendamt und Sozialamt, um sie dort zu unterstützen. Genauso werden auch immer Leute eingeteilt, die Diejenigen legalisieren, die aus Klapsmühlen oder Heimen kommen. Jeder macht hier jede Arbeit. Es fahren auch jeden Tag drei andere Leute unsere Lastkraftwagen.

Von Schwester Vincentine forderten wir eine Vollversammlung aller Mädchen, mit denen wir über die Lebensbedingungen im Vincenzheim sprechen wollten. Das lehnte sie ab. Wir hatten nichts anderes erwartet. Schließlich hatten wir ihr schon Wochen vorher einen Brief geschickt in dem wir sie um ein Gespräch gebeten hatten. Eine Antwort hatten wir nie bekommen.

Unser Ziel mit den Mädchen Kontakt aufzunehmen, hatten wir erreicht; so verließen wir freiwillig in Begleitung von 8 Polizeibeamten das Vincenzheim.

DAS ERSTE MÄDCHEN FLIEHT
Nach zwei Tagen erhielten wir den ersten Anruf von einem Vincenzheimmädchen: sie hieß Gudrun, war gerade geflohen, und wollte abgeholt werden. Gudrun wußte viel von den unterdrückerischen Erziehungsmethoden zu berichten. Alles was sie sagte, deckte sich mit unseren bisherigen Informationen. Gudrun blieb knapp 2 Wochen bei uns; ihre Mutter gab die Zustimmung, daß sie bei uns bleiben könnte. Gudrun hat dann irgendwann ihre Schwester besucht und ist dort geblieben. Angeblich soll sie all ihre Aussagen, die sie uns schriftlich gegeben hatte, widerrufen haben. Doch Gudrun hat uns gestern selber gesagt, daß das nicht stimmt.

Daß Mädchen, die erst Erklärungen an Eides statt gegen das Vincenzheim gemacht haben, später auf Druck von Behörden und Eltern diese zurückgenommen haben, kennen wir allerdings schon vom letzten Jahr.

Was geschah im letzten Jahr
Im letzten Jahr hatten wir (damals nannten wir uns noch Dortmunder Selbsthilfe (DSH)), anfangs sehr wenig Informationen gegen das Vincenzheim, außer den Aussagen mehrerer Betroffener, daß es dort sehr schlimm war. Nach unserem ersten Flugblatt, das wir vor dem Heim verteilten, floh Daniela H. Sie berichtete sehr ausführlich über die Verhältnisse im Vincenzheim, schrieb selbst das nächste Flugblatt, und entschied sich bei uns zu bleiben. Unser erster Angriffspunkt war Dr. Wagner, ein Arzt für Harnerkrankungen, der alle Mädchen im Vincenzheim zu Beginn ihrer Knastzeit dort auf Tripper untersuchte. Dr Wagner wurde von Daniela als zittriger, seniler, unsteril arbeitender "Arzt" geschildert. Als wir in seine Praxis gingen, um uns selbst ein Bild von ihm zu machen, wurden Danielas Berichte noch übertroffen. Wir schrieben folgendes Flugblatt:

Angezeigt:
KURFUSCHER AM BORSIGPLATZ
"DR." WAGNER? , BORSIGPLATZ 5A
TELEFON: 02315/814532
Dr. Wagner ist Hautarzt und hat sich auf Geschlechtskrankheiten spezialisiert. Er erkennt bei jedem Patienten Tripper! Die Patienten müssen ihm bei der Untersuchung helfen, so stark zittert er. Er ist so extrem kurzsichtig, daß er nicht einmal seinen Namen schreiben kann, weil er nicht weiß, welches Ende des Kugelschreibers er in der Hand hat. Seine Geräte sind nicht desinfiziert; es gibt immer sechs bis acht Penicillinspritzen – das sind drei bis fünf zuviel.

SIEHT NICHTS, ZITTRIG, SCHMUTZIG
Diese Tatsachen stehen in Eidesstattlichen Erklärungen, die wir von Mädchen, die zum Teil bis vor kurzem im berüchtigten Mädchenknast, dem Vincenzheim, Oesterholzerstraßee 85-91 eingesperrt waren, erhalten haben. (Sie wurden bestraft, wenn sie zu einem anderen als "Dr." Wagner wollten).

JEDER KRIEGT ’NEN TRIPPER!
Uns von der Dortmunder Selbsthilfe (DSH) erschien dies so ungeheuerlich, daß einige von uns sich sofort von anderen Arzten ihre Gesundheit bescheinigen ließen und dann zu "Dr." Wagner eilten; siehe da: prommt erkannte Wagner einen Tripper! Bei jedem! Wir haben uns überzeugt, das folgende Zitate aus Eidesstattlichen Erklärungen, die täglich mehr werden, stimmen: … erst bei dritten Mal stellte er Tripper fest, dabei ist das unmöglich …, er konnte nicht unterschreiben, weil er so gezittert hat …, er desinfiziert nicht…. Ich habe noch nie Sex gemacht, jetzt soll ich plötzlich Tripper haben…, er stocherte mit einem Röhrchen rum, sah nichts und tat mir so weh…, er wechselte nicht einmal die Handschuhe…, als er meine Vagina nicht fand, mußte ich ihm dabei helfen…, die ganze Praxis war voll Penicillin…, er zitterte so stark beim Spritzen, daß er das Gewebe zerris und ich stark blutete…, dann hat das Pflaster daneben geklebt….

WIR HABEN IHN ANGEZEIGT!
Gehen Sie selbst hin; überzeugen Sie sich selbst! (auch, daß er von der Verabschiedung von Spritzen sehr gut in seiner Villa mit Garten in der Aplerbecker Schulstraße 42 – Telefon: 02315/447407 – residiert). Und nicht nur das – wenn Sie etwas wissen, kommen Sie zu uns und helfen uns, damit soetwas nicht mehr passiert!
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Wir zeigten Dr. Wagner wegen Fahrlässiger Körperverletzung und Medikamentenmißbrauch an. Nach dem Erscheinen des Flugblatts wurde Dr. Wagner sofort entlassen. Das es überhaupt möglich war, daß so ein Mensch auf die Mädchen losgelassen wurde – ein Mensch, der selbst schwer krank und völlig unfähig war – ist bezeichnend für die Zustände im Vincenzheim, und dafür wie ernst die Verantwortlichen (Caritas als Dachorganisation, Jugendamt Dortmund, Amtsleiter Köster, Landesjugendamt, die örtliche Katholische Kirche) es mit ihrer Aufsichtspflicht nehmen.

Bürgerinitiative gegründet
Nach weiteren Aktione flohen innerhalb kürzester Zeit über 30 Mädchen. Wir beschlossen, die Aktion gegen das Vincenzheim auf festere Füße zu stellen und gründeten eine "BÜRGERINITIATIVE GEGEN DAS VINCENZHEIM"! Ca 200 Leute kamen zur Gründungsversammlung in die Jakobsschänke. In den nächsten Wochen wurden weitere Beschwerden geschrieben. Zuständige Behörden bis hin zum Erzbischof von Paderborn wurden aufgefordert, diesem schändlichen Treiben endlich ein Ende zu machen. Niemand reagierte. Noch einige Wochen und unser euphorisch begonnener Kampf gelangte in eine Sackgasse und verlief sich schließlich im Sande.

Als konkreter Erfolg der ganzen Aktion blieb am Schluß die Entlassung von Wagner sowie die Legalisierung von 8 der ehemals eingesperrten Mädchen über. Den Mädchen, die noch im Heim waren, ging es schlechter als zuvor, noch weniger Ausgang, noch mehr Druck. Gruppen, in denen sich die Mädchen einigermaßen zusammengefunden hatten, wurden auseinandergerissen.

Viele Gründe spielen für diese negative Entwicklung eine Rolle:
Zunächst ist da der denkbar ungünstige Treffpunkt für die Sitzungen der Bürgerinitiative zu nennen: die Fachhochschule für Sozialarbeit, oben an der Hohen Straße, weit weg vom Vincenzheim. Wir hatten es nicht erreicht, die umliegende Bevölkerung für den Kampf der Mädchen und ihre Grundrechte zu gewinnen. Nach einiger Zeit trat ein Informationsmangel auf. Ab einer bestimmten Zeit haute kein Mädchen mehr ab; kam jedenfalls nicht mehr zu uns.

Die größten Fehler der Anti-Vincenzheim-Kampagne liegen darin, daß zuwenig vor dem Heim passierte, die Mädchen zuwenig informiert über uns waren, und daß der Protest überwiegend theoretisch (Anzeigen, Beschwerden) und zuwenig praktisch geführt wurde. Martina, die als letzte zu uns kam, erzählte uns später, daß sie erst ganz am Schluß erfahren hatte, daß man bei uns auch aufgenommen werden konnte, wir selbst also eine echte Alternative für die Mädchen waren und bewußt ja auch sein wollten.

Als wir jetzt vor zwei Monaten erneut von den immer noch existierenden Mißständen im Vincenzheim erfuhren, haben wir uns entschlossen, erneut gegen das Vincenzheim vorzugehen. Wir haben schließlich eine alte Rechnung zu begleichen, mit Schwester Vincentine, Jugendamtsleiter Köster, und mit Happe vom Landesjugendamt in Münster. Um nicht die gleichen Fehler von damals zu wiederholen, haben wir gleich unsere Vorgehensweise so angelegt, daß die Mädchen im Heim auch einiges davon mitkriegen. Deshalb die erste Aktion im Garten, deshalb die Geschichte mit dem Wäschewagen, deshalb das Anketten am Tor.

Was hat sich im Vincenzheim seit letztem Jahr geändert?
Nachdem anfangs der sichtbare Druck vergrößert wurde, ist danach offensichtlich ein Prozeß langsamer Liberalisierung (Lockerung des sichtbaren Drucks) in Gang gekommen. – Die "Zelle" wurde das letzte Mal im Oktober 76 benutzt, als Alternative zum Gottesdienst gibt es jetzt eine sogenannte Ethikstunde, es gibt einen Heimrat der Mädchen, sogar das Abendbrot sollen sich jetzt selber schmieren dürfen. Welch großer Fortschritt für Mädchen im Alter von 14-18 Jahren. Zusammengefaßt läßt sich sagen:

DIE UNTERDRÜCKUNGSMETHODEN SIND FEINER GEWORDEN
Nach allem, was wir gerade in den letzten Tagen vom Vincenzheim erfahren haben, scheint es sich in den vergangenen Monaten tatsächlich zu einem fast "normalen" Heim gemausert zu haben, Die Auswüchse und Rechtsbrüche, die wir im letzten Jahr veröffentlicht haben, scheint es zumindest in dem Umfang nicht mehr zu geben. Doch das heißt nicht, daß die Mädchen im Vincenzheim zu ihren Rechten kommen. So "moderne" Einrichtungen with Ethik- und Therapiestunde, und der Heimbeirat, haben einzig und allein die Funktion, den Mädchen die Möglichkeit zum Widerstand zu nehmen. Ihnen wird eingeredet, sie seinen selbst schuld an ihrer Lage, sie seien schlechte, unfähige Menschen, kurz, sie seien Versager, die im Sumpf waren und dort wahrscheinlich wieder landen werden, es sei denn, sie werden brave, ordentliche, angepaßte, gläubige, untertänige Heiminsassen. Kalfaktoren werden ausgesucht. Sogenannte Gruppenälteste (die die rechte Hand der jeweiligen Gruppennonne sind), die alles anschwärzen, was es anzuschwärzen gibt, für kleine Vergünstigungen (wie mehr Zigaretten, mehr Ausgang), verstehen sich von selbst.

Der Heimrat – dieses scheinbar demokratische Mitbestimmungsgremium der Mädchen – entpuppt sich als ein Straf- und Kontrolsystem: In der Satzung des Vincenzheims steht wörtlich unter §7.1: "Grundsätzlich werden besondere Verstöße gegen die Heimordnung mit Entzug von Vergünstigungen nach einem vom Heimrat erarbeiteten Konzept . . . geanhndet."

Eine saubere Lösung
Man läßt die Unterdrückten sich selbst unterdrücken. Das erspart einem die schmutzigen Hände. Der Henker wird aus der Gruppe der zu Hinrichtenden selbst gewählt – natürlich demokratisch – "unmittelbar, frei, gleich allgemein und geheim", wie es an anderer Stelle der Heimsatzung heißt.

Die sogenannte "moderne" Heimerziehung, die sich wohl auch langsam im Vincenzheim durchsetzt, ist nichts anderes als der Versuch, mit neueren Erkenntnissen der Pädagogik und Psychologie die "Versager" zu bestrafen, d.h. fertig zu machen. Der sichbare Druck ist dem unsichbaren gewichen. An der Funktion solcher Heime hat sich nämlich überhaupt nichts geändert: Weiterhin wird ein bestimmter Teil der Bevölkerung, der aus welchen Gründen auch immer, nicht mit dieser Leistungsgesellschaft klar kommt, beispielhaft bestraft, als Warnung an alle anderen die auch am liebsten austeigen möchten, weil sie den mörderischen Druck im Betrieb und im Büro nicht mehr aushalten können: Macht weiter, malocht Euch kaput, seid Roboter die nur schlafen, essen, arbeiten, essen, fernsehen, schlafen kennen. Sonst landet Ihr auch im Erziehungsheim, in Klapsmühlen oder im Knast.

Konkret kommt beim Vincenzheim hinzu, daß ausgerechnet völlig welfremde Menschen, diese an Arbeit, Familie, Sexualität, etc gescheiterten Mädchen erziehen wollen. Wir halten diese Vinzcentinerinnen im Vincenzheim wegen diesem Vorhaben für arrogant und größenwahnsinnig.

UNSERE PERSPEKTIVE BEIM KAMPF GEGEN DAS VINCENZHEIM
Zunächst geht es darum, genau zu überprüfen, ob die kriminellen Auswüchse tatsächlich beseitigt werden. Grundsätzlich geht es uns aber – besonders im Kampf gegen das Vincenzheim
das ist wohl deutlich geworden, gegen die Heimerziehung als solche. Die Anti-Vincenzheim-Kampagne ist der Anfang einer Kampagne gegen sämtliche Heime in Dortmund. Wir wissen, daß diese Perspektive nur noch wenige sogenannte "Außenstehende" nachvollziehen können. Da taucht dann gleich die Frage nach der Alternative auf.

Wir, die Arbeiter-Selbsthilfe Dormund (ASD), sind eine Alternative
Außerdem sind die meisten von uns, nach jahrelanger Erfahrung mit den verschiedensten heimen zu der Uberzeugung gekommen, daß es nicht tragischer ist, wenn man statt im Heim ist, auf dem Strich landet. Womit wir nichts Positives über den Strich gesagt haben wollen.

Wie geht es weiter?
Wir werden weiter die Mädchen aufsuchen und ihnen Mut machen sich zu wehren. Wir werden alles aufsuchen was verantwortlich ist; und wer sich weigert, die Mädchen zu unterstützen, wird auch bekämpft. Der Hilferuf aus dem Vincenzheim hat uns klar bestätigt, daß wir uns auf dem richtigen Weg befinden.

Wenn jemand beim Kampf gegen das Vincenzheim mitmachen will, so kann er jeden morgen um 8:30 Uhr, bzw. Mittwoch nachmittag um 15:00 Uhr zur Arbeiter-Selbsthilfe Dortmund, Nordmarkt 21, 46 Dortmund – Telefon: 02315/830700 – kommen. Wie wäre’s, wenn wir die eingeschlafene Bürgerinitiative gegen das Vincenzheim wieder wachrütteln würden?

ARBEITER HELFEN SICH SELBST
Die Zahl der Arbeitslosen steigt ständig. Immer mehr Leute werden in die Armut getrieben, können ihre Miete nicht mehr bezahlen, und landen in Obdachlosensiedlungen. Wer nicht mehr gebraucht wird, muß Angst haben, in Heime und Klapsmühlen abgeschoben zu werden.

Jeder von uns hat selber erfahren, was es bedeutet, wenn man auf der Straße liegt, entrechtet und entmündigt ist. Alleine konnte sich kaum einer von uns dagegen wehren. Deshalb haben wir uns zu einem Verein zusammengeschlossen. Unser Brot verdienen wir uns mit ENTRÜMPELUNGEN, HAUSHALTSAUFLÖSUNGEN UND DEM VERKAUF VON GEBRAUCHTWAREN in unserem Laden.

Wir bestimmen unsere Arbeit selbst und haben keine Vorgesetzten. So können wir all den Leuten helfen, denen es ähnlich geht, we uns früher.

ARBEITER-SELBSTHILFE DORTMUND (ASD)

LADEN, Stollenstraße 6

Telefon: 03215/81661

WOHNUNG, Nordmarkt 21
Telefon: 02315/830700

LADEN, Robertstraße

© 1976/1977 Arbeiter-Selbsthilfe Dortmund (ASD). Die verschiedenen Autoren, die zu diesem Artikel und den dazugehörigen Flugblättern im Jahre 1976/1977 beigetragen haben, sind heute nicht mehr mit Sicherheit festzustellen. Es ist anzunehmen, dass sie alle Mitglieder oder Angehörige der damaligen Arbeiter-Selbsthilfe Dortmund, bzw. der Dortmunder Selbsthilfe waren; und der Kredit gehört natürlich ihnen.

[ Erstveröffentlichung auf dieser Webseite: 1. September 2004 ]
[ Hauptüberschriften und Erklärungen vom hiesigen Redakteur hinzugefügt]
[ Einige notwendige Korrekturen und Stihl-Umänderungen für diese Internet-Version wurden auch unternommen ]


Subindex Nr. 10

Ehemalige Heimkinder schöpfen neue Hoffnung, bassierend auf ein neues Gerichtsurteil - Kammergericht Berlin-Moabit - 15. Dezember 2004 - zum Thema ***Menschenentwürdigende freiheitenziehende Massnahmen ( Geschlossene Unterbringung ) zuwider dem Grundgesetz und zuwider allen Menschenrechtskonventionen***. Das Urteil kondemniert insbesondere die Vorgehensweise und Zustände in Erziehungseinrichtungen der *Jugendhilfe* in der ehemaligen DDR (Az.: 5 Ws 169/04 REHA) ((551 Rh) 3 Js 322/03 (286/03)).

GLEICHERWEISE AUF DEN WESTEN ZUTREFFENDE Auszüge aus dem "Abschlussbericht des Unabhängigen Untersuchungsausschusses zu Vorgängen im ehemaligen Geschlossenen Jugendwerkhof Torgau [in der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik]"

Schwarze Pädagogik in der ehemaligen DDR : Deutsche Demokratische Republik.
Artikel diesbetreffend von Helmuth Frauendorfer, in Wochenzeitung
RHEINISCHER MERKUR
Nr. 47 vom 20.11.2003 : »Der Schock wirkt weiter« -
DDR-Vergangenheit - Kommunismus - Jugendwerkhof Torgau - die verschärfteste
Form der militaristischen Maßregelung und Umerziehung von Kindern und Jugendlichen,
um sie kollektiv dem sozialistischen Menschenbild gleich machen zu können.


"Kinderrechte" existierten in der Bundesrepublik auch schon damals , wurden aber, was "Heimkinder" betraf, von den Verantwortlichen einfach ignoriert!

Das zum ersten mal in Deutschland am 1. Mai 1961 verwirklichte und am 1. Juni 1962 in Kraft tretende Bewahrungsgesetz
wurde fünf Jahre später vom Bundesverfassungsgericht für verfassungswidrig - nicht im Einklang mit dem Grundgesetz - erklärt.
Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur Verfassungswidrigkeit von § 73 Abs. 2 und 3 Bundessozialhilfegesetz vom 18. Juli 1967.


BESINNLICHES: " W E R..S C H W E I G T..M A C H T..S I C H..M I T S C H U L D I G ! "

"Ehemalige Heimkinder" Deutschlands (1945-1985) schöpfen neue Hoffnung, auf Grund eines Schreibens des deutschen Bundesministeriums der Finanzen vom 5. März 2004. Werden sie trotzdem wieder von der Regierung enttäuscht werden? – Teilweises Zitat des Schreibens. – Betrifft: "Nachricht von den "Ehemaligen Heimkindern" Deutschlands (1945-1985) an die Bundesregierung Deutschland vom 16. Februar 2004".

SUCHE NACH INFORMATION über Moorlager Anstalt Freistatt im Wietingsmoor im Hannoverschen, ein Wirtschaftunternehmen der v. Bodelschwinghschen Anstalten Bethel, in Niedersachsen. Erste Aufnahmen von Kontakt von Martin Mitchell aus Australien mit Helfern in Deutschland per Luftpostbrief, 18. Februar 2003. Antwort vom 1. April 2003:

DIE RECHTSFRAGE FÜR ALLE EHEMALIGEN "HEIMKINDER" SOLLTE SEIN:
– Verfassungsmässigkeit geschlossener Unterbringung –
War Deine / meine oft jahrelange Internierung, diese Internierung selbst, in einer geschlossenen Einrichtung, rechtswidrig oder nicht?


"Ehemalige Heimkinder" : Institutionelle "Kindesmisshandlung" als solche war auch "zu damaligen Zeiten" (1945-1985) gesetzwidrig, aber die damaligen minderjährigen Opfer von "Misshandlungen" - was das dann existierende Gesetz betraf - wussten dies natürlich nicht, . . . Anschliessend hierzu, die Wiedergabe eines zutreffenden Urteils: Bundesgerichtshof - BGH ST 3, 105 - BGH, Urteil vom 06.06.52 - 1 StR 708/51 - Misshandlung von Schutzbefohlenen

Die wahre Geschichte der damaligen ANSTALT FREISTATT aufgedeckt und erstmalig im Internet veröffentlicht! ANSTALT FREISTATT, Torfgewinnungsgesellschaft im Bethel eigenen Wietingsmoor, ein privat-kirchliches Wirtschaftsunternehmen und Moorlager Arbeitserziehungslager / Arbeitszwangslager der Diakonie (1899-1991), das noch jahrzehntelang nach dem Zweiten Welt Krieg in der Bundesrepublik Deutschland angewendet wurde, wo 14 bis 21 Jahre alte “schwererziehbare” jugendliche deutsche Zwangsarbeiter systematisch getrimmt und auf das Schlimmste misshandelt wurden.

Das Wirtschaftsunternehmen der Torfgewinnungsgesellschaft im Bethel eigenen Wietingsmoor, im Areal der ANSTALT FREISTATT, im Hannoverschen, in der Bundesrepublik Deutschland, und dessen jugendlichen deutschen Zwangsarbeiter, im Vergleich zu den jugendlichen – und auch älteren – deutschen Zwangsarbeitern im BREMISCHEN TEUFELSMOOR, ein Wirschaftsunternehmen der TurbaTorfindustrie G.m.b.H, im Dritten Reich. Was war der Unterschied? Das ersterwähnte wurde (von 1899-1991) von der Diakonie betrieben, das andere (von 1934-1945) vom Staat.

Die Kirchen waren die Täter, die Jugendämter waren die Heeler!

Martin Mitchell aus Australien, ein Opfer von "Institutioneller Kindesmisshandlung" in kirchlichen Heimen in Deutschland, der jetzt in Australien lebt, stellt diese und viele andere ähnliche Fragen, an alle Leidensgenossen und Leidensgenossinen der "Ehemaligen Heimkinder", und auch an alle Täter und Heeler, die damals für das schwerwiegende Leiden das sie Kindern und Jugendlichen in ihrer Obhut zugefügt haben, verantwortlich waren

[ Heimerziehung – Zöglinge - Heimkinder ] Zwischen Disziplinierung und Integration
– Westfälisches Institute für Regionalgeschichte – Landschaftsverband Westfalen-Lippe Münster –
FORSCHUNGEN ZUR REGIONALGESCHICHTE – Markus Köster und Thomas Küster (Hg.)
[ Anstaltserziehung – Fürsorgeerziehung – Weimarer Republik – Drittes Reich – Bundesrepublik ]


Dorothea S. Buck-Zerchin, Ehrenvorsitzende, Bundesverband Psychiatrie-Erfahrener e.V.:
Offener Brief an den Bundespräsidenten Dr. Horst Köhler aus Anlass der Ausstellung
"Tödliche Medizin – Rassenwahn im Nationalsozialismus" in Dresden Oktober 2006;
Offener Brief, Hamburg den 9. Oktober 2006.


Dipl.-Päd. Wolfram Schäfer, Institut für Erziehungswissenschaft, Philipps-Universität Marburg:
Fürsorgeerziehung und Jugendpsychiatrie im Nationalsozialismus
Die erbbiologisch begründete Forderung nach der »Aussonderung Unerziehbarer« aus der Fürsorgeerziehung war von den führenden Vertretern der deutschen Jugendpsychiatrie bruchlos aus der Weimarer Republik über die NS-Diktatur in die Bundesrepublik tradiert worden. Die Auswirkungen auf die Gestaltung der Heimerziehung in der jungen Demokratie waren bekanntermaßen fatal.


Freistatt – Wirtschaftsunternehmen – Teil I
Freistatt – Anstalt Freistatt – Diakonische Heime Freistatt – Diakonie Freistatt – Freistatt im Wietingsmoor – Betheler Zweiganstalten im Wietingsmoor – Arbeiterkolonie Freistatt – Arbeitsdienstlager Freistatt – Moorkolonie Freistatt –
“Zwangsarbeitslager Freistatt”
Was entspricht der Wahrheit, und was nicht?


Opfer von Gewalt und Zwang in deutschen Fürsorgeanstalten (meistens kirchlicher Trägerschaft beider deutschen Amtskirchen) unter allen politischen Systemen, bis in die jüngsten Tage

"Mädchenknast" – Dortmunder Vincenzheim – September 1977 – auch hier werden Heimkinder weitergehend gefangen gehalten und als unentlohnte Arbeitskräfte – Zwangsarbeiter – von der Katholischen Kirche von Deutschland ausgebeutet – hier in einer Waschanstalt / Großwäscherei der Paderborner Vinzentinerinnen.

Braunschweiger Hauszeitschrift des Marienstiftes "Doppelpunkt" - Heft Nr. 3/2000
Aus der Geschichte des Marienstiftes
[und anderen solcher Einrichtungen]:
So, ungefähr, sah es aus – über einen Zeitraum von zwischen 50 bis 70 Jahren –
für ‘verwahrloste’ Mädchen unter dem "Jugendwohlfahrtsgesetz"
in allen deutschen (Mädchen)Erziehungsanstalten / Mädchenheimen
( ob evangelisch-lutherisch oder katholisch ! ),
also auch in der Nachkriegszeit, im "Wirtschaftswunder Westdeutschland".


Die schreckliche Seite der Kirche - SPIEGEL ARTIKEL vom 19.5.2003 - KIRCHE Unbarmherzige Schwestern

Heft 4 - I. Quartal (Jan 2004) CAMPO-Magazin-Artikel von Martin Mitchell »Präzedenz oder weitere (Ent)täuschung ?«

Leserbrief betreffs Magazin-Artikel »Präzedenz oder weitere (Ent)täuschung«, von Martin Mitchell

Schutzbefohlene Heimkinder / Insassen Hinter Mauern : Ein Fallbeispiel – Der Leidensweg des Paul Brune

DAS SCHWEIGEN DER (UNSCHULDS)LÄMMER : KIRCHE UND STAAT – betreffs Institutioneller Kindesmisshandlung in meistens kirchlichen Heimen in Deutschland

Systematische Kindesmisshandlung in kirchlichen Heimen – Ausbeutung von Kindern in massiven Wirtschaftsunternehmen der Kirchen in Deutschland. – Wer schweigt, macht sich (mit)schuldig

Achtung "Ehemalige Heimkinder"! Gerichtsurteil betreffs unentlohnter "Kinderzwangsarbeit" Präzedenzfall: Jugendlicher Zwangsarbeiter klagt im Landgericht!

Misshandlungen, Missbrauch, und Ausbeutung von Kindern und Jugendlichen –
von Seiten der beiden deutschen Amtskirchen – als sie "Ehemalige Heimkinder"
in konfessionellen Heimen waren (in West-Deutschland, 1945-1985).




Bitte nicht vergessen auch "Ehemalige Heimkinder" @ http://heimkinderopfer.blogspot.com zu besuchen.


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