Der Betreiber dieser Webseite ist der hoch-engagierte Martin Mitchell in Australien (ein ehemaliges “Heimkind” in kirchlichen Heimen im damaligen West-Deutschland)

Berliner Morgenpost Panorama: LEIPZIG (15.06.04) – DER MEERANE PROZESS – Misshandlungen von Heimkindern im DDR-Spezialkinderheim Meerane. Prozess ohne Tatsachenbefund von Staatsanwaltschaft eingestellt. Mutmaßliche Täter kommen ohne Schuldbekenntnis mit Geldbußen davon. Die Opfer leiden weiter, und unter diesen Umständen kann hier wohl kaum von "Genugtuung"die Rede sein. "Abspeisung" beschreibt es genau.

Ursprünglich enthoben von Berliner Morgenpost Panorama
@
http://morgenpost.berlin1.de/archiv2004/040615/aus_aller_welt/story684311.html

Misshandlungen in DDR-Kinderheim

Leipzig - Der Prozess gegen vier ehemalige Erzieher eines DDR-Heims für Schwererziehbare ist am Montag vor dem Leipziger Landgericht überraschend zu Ende gegangen. Gegen Zahlung von Geldbußen zwischen 3500 und 6000 Euro an ehemalige Zöglinge des Kinderheims im sächsischen Meerane und an gemeinnützige Einrichtungen stellte die 5. Strafkammer des Leipziger Gerichts die Verfahren gegen drei der Angeklagten ein. Der vierte Beschuldigte kam ohne Auflagen davon.

Ursprünglich waren 18 Verhandlungstage angesetzt, an denen nahezu 50 Zeugen gehört werden sollten. Doch dann schlug Staatsanwalt Alexander Winterhalter vor, die Verfahren gegen Geldbußen einzustellen. Er begründete dies damit, dass so das Verfahren wesentlich abgekürzt werden könne. Zudem verwies er darauf, dass die mutmaßlichen Taten bereits fast 20 Jahre zurückliegen und es schwer werde, wirklich Licht in die Angelegenheit zu bringen. Die Verteidiger von drei der Angeklagten stimmten dem Vorschlag zu, unterstrichen jedoch, dass dies kein Schuldeingeständnis ihrer Mandanten bedeute. Der Anwalt des vierten Angeklagten stimmte der Einstellung ebenfalls zu, wollte eine Geldbuße aber nicht akzeptieren.

Im Kern ging es bei den Anschuldigungen darum, dass die vier Angeklagten zu DDR-Zeiten in dem Kinderheim in Meerane ihre Zöglinge gequält und zum Teil auch sexuell missbraucht haben sollen. Ein heute 29-Jähriger, der auch als Nebenkläger auftrat, war als 12-Jähriger in das Heim gekommen. Dort steckte ihm nach eigener Aussage unter anderem eine Erzieherin den Kopf in eine Toilettenschüssel und betätigte dann die Spülung. Zudem sollen im Heim Kinder und Jugendliche zum Beispiel mit Riemenpeitschen geschlagen worden sein, wobei auch auf die Geschlechtsteile gezielt wurde.

Wie Winterhalter erläuterte, wären die den Angeklagten vorgeworfenen Taten nach DDR-Strafrecht zu bestrafen gewesen. "Das hätte im Höchstfall Freiheitsstrafen von drei Jahren bedeutet, so viel, wie es heute für eine Sachbeschädigung gibt", sagte der Anklagevertreter. Durch die Geldbußen erführen die Opfer teilweise Genugtuung. AP

© Berliner Morgenpost 2004

[ Erstveröffentlichung auf dieser Webseite: 15. Juni 2004 ] [ Hauptüberschrift vom hiesigen Redakteur hinzugefügt ]

Wichtiger Hinweis: Diese Seite wird ziemlich häufig aktualisiert. Damit Sie immer die aktuellsten Beiträge präsentiert bekommen, raten wir Ihnen, bei jedem Besuch dieser Seite auf Ihrem Browser den "refresh/aktualisieren" - Button zu drücken!


Home Impressum Kontakt Zurück nach oben