| Der Betreiber dieser nichtkommerziellen Webseite ist der hoch-engagierte Martin Mitchell in Australien (ein ehemaliges “Heimkind” in kirchlichen Heimen im damaligen West-Deutschland) |
ZDF TV "MONA LISA" 23.09.2007, 18:00 Uhr bis 18:30 Uhr.
»Entschädigung für eine gestohlene Kindheit - Heimkinder wollen Gerechtigkeit«
Heimterror in den 50er bis 70er Jahren in der Bundesrepublik Deutschland (BRD).
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Verschlossene Türen gehörten zu den Methoden mancher Heime. ML Mona LisaEntschädigung für gestohlene JugendEhemalige Heimkinder wollen GerechtigkeitPrügel, Demütigungen, Einzelhaft: In den 50er und 60er Jahren wurde in manchen kirchlichen Kinder- und Jugendheimen in der Bundesrepublik eine erschütternde Erziehungspraxis angewandt. Viele der Kinder und Jugendlichen wurden damals als billige Arbeitskräfte ausgenutzt. Heute sind die Betroffenen im Rentenalter und fordern eine Entschädigung vom Staat. Noch heute leiden Betroffene wie Heidelore Rampp unter den Folgen ihrer Heimerziehung: "Geschlossene Türen lösen bei mir Panik aus. Ich kriege Angst, ein ungutes Gefühl im Bauch. Ich habe dann Schweiß auf der Stirn und den Drang, sie sofort aufzumachen." Die glückliche Kindheit war für Heidelore vorbei, als ihre Mutter plötzlich starb. Der Vater fühlte sich mit dem Kind überfordert und gab sie mit zwölf in eine Erziehungsanstalt im Schwarzwald, geleitet von evangelischen Diakonissen.
Fünf Jahre Heim-TerrorDie führten ein Regiment der Angst: Erniedrigungen, Befehle, harte Strafen und Arbeit von früh bis spät. Zudem herrschte Rede- und Ausgangsverbot. Zur Bestrafung wurde Heidelore weggesperrt, in einen dunklen Raum. Als Einzelhaft beschreibt sie es heute. Fünf Schwestern waren für 60 Mädchen verantwortlich. Das Motto hieß Zucht und Ordnung, Liebe und Zuwendung für die Kinder gab es nicht. Heidelore Rampp fühlte sich damals sehr einsam, träumte von Zuhause und ihrer Mutter. Aber reden durfte sie mit niemandem..
Heidelore wurde geschlagen und wollte mit dem Vater reden. Sie riss aus, zeigte ihm ihre blauen Flecken. Der Vater, ständig von Frauen umgeben, wollte es nicht wahrhaben und schickte sie zurück. "Und dann sagte er, du wirst hingefallen sein oder du hast eine blühende Fantasie. Die tun dir doch nichts, das sind doch alles Schwestern. Komm, jetzt reiß' Dich zusammen, das hat auch wieder mal ein Ende", erinnert sich Heidelore Rampp. Mit 16 kam sie ins Heim Leonberg bei Stuttgart. Auch dort mussten die Mädchen neun Stunden täglich hart arbeiten, Herrenhemden und Bettwäsche für Firmen und Privatkunden nähen. Lohn erhielten die Mädchen nicht. Die heute 62-Jährige Heidelore, die ihr Leben lang gearbeitet hat, kämpft nun dafür, dass auch die Arbeit im Heim bei der Rente angerechnet wird. Infobox![]() Buchtipp:
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Geraubte KindheitWolfgang Focke, der mit drei Jahren ins Heim kam, hat ein ähnliches Schicksal wie Heidelore Rampp erlitten. "Man hat mir und anderen Leuten die Jugend gestohlen", sagt Wolfgang Focke, "ich erwarte als eine echte Form von Entschuldigung, dass man uns unsere Würde, die man uns genommen hat, zurück gibt." Die Würde verlor der Junge früh. Von Betreuern und Zöglingen wurde er über Jahre sexuell missbraucht, wird geprügelt, eingesperrt, erniedrigt, lernte nie lesen und schreiben. Im Steinbruch und in der Landwirtschaft musste er bis zu 16 Stunden täglich schuften, ohne Lohn. Jetzt bekommt er 290 Euro Rente.
Fockes Forderungen sind klar: "Für diese Zeit verlange ich natürlich eine Entschädigung vom Staat für die Rente und auch eine Entschädigung in Form von Geld, dafür, dass wir gearbeitet haben und keinen Lohn gekriegt haben." Heidelore Rampp und Wolfgang Focke haben sich dem Verein "Ehemalige Heimkinder" angeschlossen. Etwa 140 Mitglieder sind es inzwischen. Sie kämpfen gegen das Vergessen und für Wiedergutmachung und haben eine Petition im Bundestag eingereicht.
Kampf um GerechtigkeitHeidelore Rampp geht es auch um Aufarbeitung und Anerkennung von Schuld. Dafür besucht sie das Mutterhaus der Diakonissen in Stuttgart. Als sie es betritt, ist das Gefühl der Angst plötzlich wieder da. Zum ersten Mal ist die Oberin, Schwester Ursel, zu einem Gespräch bereit. Eine Verantwortung lehnt sie jedoch ab, sie sei zu jung gewesen und die Schwestern von damals sind längst verstorben: "Dieser Lebensweg ist ein ganz schwieriger. Ich finde es wirklich bedauernswert und es tut mir sehr leid. Wenn Schwestern von uns daran beteiligt waren, dass es Ihnen schlecht ging, dann tut mir das umso mehr leid."
Extrem aufgewühlt sei sie, sagt Heidelore Rampp nach dem Gespräch. Aber es war ein wichtiger Schritt zur Aufarbeitung: "Ich fordere und wünsche, dass so etwas den Kindern, die heute in Heimen leben, die von der Diakonie geleitet werden, nie wieder passieren wird." Aus Scham hatte Heidelore Rampp lange geschwiegen. Bis vor einem Jahr wusste niemand von ihrer Heim-Vergangenheit, nicht einmal Mann und Kinder. Jetzt, sagt sie, sei sie bereit für den Kampf um ein bisschen Gerechtigkeit. |
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Metatags zum Thema "Ehemalige Heimkinder" im "Wirtschaftswunderland Westdeutschland": |
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Siehe auch "Ehemalige Heimkinder" @ heimkinderopfer.blogspot.com und heimkinderopfer2.blogspot.com |
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