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Kann man leise schreien?
Dietmar Krone - Jahrgang 1954 - hatte Jahrzehnte in sich verschlossen, was nun in seinem Buch "Albtraum Erziehungsheim - Die Geschichte einer Jugend" nachzulesen ist. Beschrieben wird eine Kindheit und Jugend in der Zeit des deutschen Wirtschaftswunders. Das unerwünschte Kind wird von der Mutter - einer ehemaligen BDM-Führerin - auf den Dachboden verdammt, zu Kinderarbeit gezwungen, von Liebhabern der Mutter brutal geschlagen.
Als er eines Tages, knapp 12 Jahre alt, bei der Arbeit zusammenbricht und in eine Klink kommt, wird die Fürsorge eingeschaltet. Die "Fürsorgeschwester" hat aber an dem Kind mehr auszusetzen als an der das Kind misshandelnden Mutter. Er findet Hilfe in einer religiösen Gemeinde und freundet sich mit einem Mann an, zu dem er sich hingezogen fühlt, der Ihm zu helfen versucht, der Ihm menschliche Nähe vermittelt.
Die Mutter zeigt den Mann als Kinderschänder an, es kommt zur Verhaftung mit dem Ergebnis, dass es nach der einschüchternden Vernehmung des Kindes heisst:
"Im Namen des Volkes ergeht folgender Beschluss: .... wird auf Grund sittlicher Verwahrlosung bis zur Vollendung seines 21. Lebensjahres in ein geschlossenes Erziehungsheim überstellt. Es wird Fürsorgeerziehung angeordnet." Damals wurde man mit 21 Jahren volljährig.
Das Opfer jahrelanger Vernachlässigung und Misshandlung durch die Mutter wird zum jugendlichen Kriminellen ohne Schulbildung abgestempelt. Nicht die erforderliche, schützende Hilfe, sondern die Bestrafung des Opfers wird angeordnet.
Was dann über Jahre im Jugenderziehungsheim Viersen-Süchteln unter der Leitung eines ehemaligen HJ-Führers folgt, ist ein Martyrium. Erziehung durch Demütigung, erzwungene Arbeit, eingesperrt werden in einer Dunkelzelle, bis hin zu schwerster Körperverletzung und schliesslich in einer Zwangsjacke die Überführung des schwer Verletzten in die Psychiatrie. Dort geht die Tortur erst weiter. Fixierung am Bett, ruhig stellende Medikamenten-Vergabe im Überfluss. "Wir sind hier schon mit ganz anderen Verbrechern fertig geworden." Man erinnert sich an die damals noch gängigen Sprüche: "Unter Adolf ...".
"Der Schoß war fruchtbar noch aus dem das kroch".
Doch schließlich kommt Hilfe durch einen Pfleger und einen Arzt. Nach einigen Monaten wird mit Hilfe eines Anwaltes bewirkt, dass Dietmar Krone nicht mehr ins Erziehungsheim zurück muss. Mit inzwischen 19 Jahren geht er nach West-Berlin. Es beginnt, mit den zu erwartenden Anfangsschwierigkeiten, ein selbstbestimmtes Leben, das aber bis heute geprägt ist von dem ihm damals zugefügten Leid.
Bemerkenswert ist, dass Dietmar Krone sein Buch mit einem Bericht über die verlorene Kindheit einer Frau beendet, die nicht im Heim gewesen ist. Auf diese Weise wird deutlich, dass allgemein die "Fürsorge" in der deutschen Wohlstandsgesellschaft der damaligen Zeit häufig weder für die Bedürfnisse von Kindern einstand, noch sich um deren Menschenrechte gesorgt hat.
Ein geflüstertes Buch, das von Leid schreit, schnörkellos, eine unmissverständliche Anklage gegen eine "fürsorgende" Gesellschaft, die "Fürsorge" mit Demütigung, Beschimpfung, erzwungener Arbeit und schwerer Körperverletzung, das heißt mit Menschenrechtsverletzungen praktizierte.
In einem Interview sagte Dietmar Krone: "Warum das alles eigentlich, ich wollte doch nur Liebe, Wärme, auch Körperwärme".
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