|
[
Enthoben aus dem Internet @
http://www.diakonie-freistatt.de/presse_print.php?id=217
]
[
Re: Veranstaltung in der Moorkirche in Diakonie Freistatt,
Donnerstag 4. Mai 2006 ]
Pressemitteilung vom
05.05.2006
Lesung mit Spiegel-Autor Peter Wensierski /
Rundgang durchs heutige Freistatt
Eine sehr offene
emotionale Diskussionsrunde / Wissenschaftliche Aufarbeitung
des Themas [vorausgesagt]
FREISTATT. Der Vorstand der
v. Bodelschwinghschen Anstalten Bethel und die Diakonie Freistatt
hatten Spiegel-Autor Peter Wensierski zu einer Lesung in die
Freistätter Moorkirche eingeladen, um sein kürzlich
erschienenes Buch „Schläge im Namen des Herrn“
vorzustellen. Unter den weit mehr als 100 Zuhörern waren auch
etwa 30 ehemalige Fürsorgezöglinge, die in den 50er
und 60er Jahren in Freistätter Fürsorgeheimen
untergebracht waren.
In einer kurzen Einleitung zeigte
Pastor Wolfgang Tereick, Geschäftsführer der
Diakonie Freistatt, einige Aufnahmen aus dieser Zeit.
Jugendliche bei der Arbeit im Moor, auf den Feldern, einen
Schlafsaal mit 40 Betten oder die Zimmer in den
verschiedenen Einrichtungen. „Ich habe bei einem Blick
auf die Bilder gedacht: Das darf ja wohl nicht wahr sein!“
Genauso erging es Peter Wensierski, als er vor einiger Zeit
anfing, sich mit diesem Thema zu beschäftigen. Er wollte
damit erreichen, dass die Betroffenen endlich Gehör finden
und sich trauen, offen über ihre Erlebnisse zu sprechen. [
٪
] Damals gab es in
ganz Deutschland rund 3000 Fürsorgeheime für Jungen und
Mädchen. Und viele dieser Zöglinge waren aus
nichtigen Gründen in diese Heime gebracht [worden]. Die
Jugendämter überlegten nicht lange, entschieden häufig
nach Aktenlage. Und diesen Kindern und Jugendlichen ging immer
der Satz durch den Kopf: „Warum bin ich eigentlich im
Heim und was habe ich getan?“. Fragen, auf die sie nie eine
Antwort bekamen. Auch die Länge des Aufenthalts war nicht
bekannt. Besonders für Jugendliche im Alter zwischen 14
und 18 Jahre eine psychische Belastung. Dazu kamen die
schlechten Bedingungen. „Es wurde viel weggesperrt, das
Essen war knapp und bei Verfehlungen wurden wir bestraft. An
die Schläge erinnere ich mich heute noch“, so ein
ehemaliger Zögling bei der anschließenden
Diskussionsrunde.
Die Emotionen kochten zu Beginn hoch,
wurden während der fast 90-minutigen Diskussionsrunde
immer besonnener und es fand der gewollte Austausch statt.
„Genau hier wollen Bethel und die Diakonie Freistatt
ansetzen“, erklärte dazu Wolfgang Tereick. “Wir
wollen anfangen, uns damit auseinanderzusetzen und wollen eine
Annäherung erreichen“, so Wolfgang Tereick. Und Dr.
Rolf Engels vom Vorstand der v. Bodelschwinghschen Anstalten
Bethel ergänzte: „Niemand, auch nach ihren
Erzählungen am heutigen Abend, kann sich dem verschließen,
was sie als ehemalige Zöglinge erlebt haben. Und wir
stellen uns der Verantwortung und haben deshalb in der letzten
Woche im Vorstand ein Forschungsprojekt verabschiedet, in dem
dieses Thema wissenschaftlich aufgearbeitet werden soll.“
In Zusammenarbeit und durch Interviews mit den
betroffenen Menschen sowie den Akten wird die Kirchliche
Hochschule [Bethel] der Öffentlichkeit eine entsprechende
wissenschaftliche Aufarbeitung im Herbst 2007
vorstellen. ________________________________________________________________________
Diakonie
Freistatt v. Lepel-Straße 27 272559 Freistatt Telefon:
05448/8-8580 Telefax: 05448/8-8599 info@diakonie-freistatt.de
|