Der Betreiber dieser nichtkommerziellen Webseite ist der hoch-engagierte Martin Mitchell in Australien (ein ehemaliges “Heimkind” in kirchlichen Heimen im damaligen West-Deutschland)

Evangelische Zeitung (EZ) – Christliche Wochenzeitung für Niedersachsen Nr. 19/
14.05.2006. Überschrift, Titelseite: "Schläge im Namen des Herrn""Diakonie Freistatt
stellt sich seiner dunklen Vergangenheit: Ehemalige Zöglinge berichten von ihren Qualen"
.

Artikel betreffend der Veranstaltung in Freistatt mit SPIEGEL-Buch Autor und Journalist
Peter Wensierski am 04.05.2006: Buchlesung mit anschließender eingehender Diskussion.


[ Re: Veranstaltung in der Moorkirche in Diakonie Freistatt, Donnerstag 4. Mai 2006 ]

Schläge im Namen des Herrn

Diakonie Freistatt stellt sich ihrer dunklen Vergangenheit: Ehemalige Zöglinge berichten von ihren Qualen

"Ein paar Schläge haben noch niemandem geschadet" mag früher die Devise gewesen sein. "Doch!", hält Pastor Wolfgang Tereick, Geschäftsführer der Diakonie Freistatt, dagegen. In der Nachkriegszeit (und bis in die 70er Jahre hinein) wurden in Freistatt "Fürsorgezöglinge" geschlagen und zu schwerer Arbeit missbraucht. Ähnlich erging es bis zu einer Millionen Jugendlicher in 3000 Heimen. Freistatt und ihre Trägergesellschaft Bethel stellen sich jetzt dieser dunklen Vergangenheit.

"Hier waren die Toiletten und in diesem Bereich war früher unser Gemeinschaftsraum". Der heute 61-jährige Willi Komnick erinnert sich trotz der baulichen Veränderungen nur zu gut an die damalige Zeit, als er in der Diakonie Freistatt von 1961 bis 1963 als Fürsorgezögling im Haus Neuwerk untergebracht war. Viele Jahre hat er diese Erinnerungen verschwiegen und konnte nicht darüber reden. Nach mehr als 40 Jahren steht er jetzt vor seinem ehemaligen Fürsorgeheim und will die Vergangenheit noch einmal verarbeiten. "Als ich nach dieser langen Zeit in meine Akte schauen konnte, war ich überwältigt. Da kamen so viele schlimme Erinnerungen aus meiner Kindheit in mir hoch."

Für Willi Komnick stellte sich in diesen Momenten immer wieder nur die Frage: Warum haben sie mich mit acht Jahren in ein Heim gesteckt? Seine Frau Gerda spürt, wie aufgewühlt er im Inneren ist, so ruhig er sich äußerlich auch zeigt. "Ich merke, wie ihn diese Eindrücke auch nach 40 Jahren noch belasten. Um das zu verarbeiten, braucht er sicherlich einige Tage." Aber genau aus diesem Grund ist Willi Komnick nach Freistatt gefahren: "Ich finde es toll, dass das heutige Bethel und die Geschäftsführung der Diakonie Freistatt uns helfen, die damalige Zeit aufzuarbeiten."

Mehrere Dutzend ehemaliger Bewohner waren dieser Tage nach Freistatt gekommen, um die Stätte ihrer Qualen wiederzusehen. Sie durften auch ihre persönlichen Akten einsehen, zum Teil auch Kopien mitnehmen. Damit versuchen sie unter anderem, Rentenansprüche geltend zu machen. "Damit sich wenigstens im Nachhinein unsere Schufterei auszahlt", sagt ein ehemaliger Zögling, der drei Jahre lang im Moor Torf abgebeut hat. Sein Wochenlohn war Tabak für eine Handvoll Zigaretten.

Um die Vergangenheitsbewältigung in Gang zu bringen, hatte die Freistatt-Geschäftsführung Peter Wensierski zu einer Autorenlesung eingeladen. Der Spiegel-Redakteur hat das Buch "Schläge im Namen des Herrn" geschrieben, in dem er Lebensberichte von ehemaligen Zöglingen aus kirchlichen Heimen darstellt. Immer wieder wird darin von Schlägen aus nichtigsten Anlässen berichtet, vom Einsperren in dunklen, engen Kammern, vom Zwang, eklige Suppen aufzuessen, schlimmstenfalls samt dem schon Erbrochenen, von härtester Arbeit bei prügelnden Bauern . . .

"Freistatt war der Vorhof zur Hölle", berichtet ein aufgebrachter Ex-Zögling. Seine Jugend hat er als Findelkind in 14 verschiedenen Heimen verbracht, in Coburg und Freistatt sei es am schlimmsten gewesen. Kurz vor seiner Entlassung hat er den Bauern, der ihn schon als Neunjährigen zu harter Knochenarbeit prügelte, mit dem Messer bedroht. Doch "ich war zu feige. Aber drei Kumpels nicht. Am nächsten Tag brannte der Hof."

Die Wut über sklavenähnliche Ausbeutung bricht sich bis heute Bahn. Unter den Zuhöhrern saßen auch drei ehemalige "Erzieher". Als einer von ihnen beteuert, er habe nie geschlagen ("nur einmal habe ich zurückgeschlagen, als mich ein Jugendlicher angegriffen hat"), hält es ein Ex-Zögling nicht mehr aus. Der massige Mann springt auf: "Wenn Du nicht so alt wärst, würde ich dich in die Tonne treten." Autor Wensierski weiß, dass andere Zöglinge anders reagierten. Etliche haben Selbstmord begangen, andere meistern ihr Leben bis heute nur mit Psychopharmaka. Viele verließen Deutschland fluchtartig.

Deutlich wurde, dass die Heime nach dem Krieg die böse Tradition der Nazi-Herrschaft fast ungebrochen fortführten. Die Reformpädagogik der 20-er Jahre blieb vergessen. Erst Mitte der 70er-Jahre wurden fast alle Heime geschlossen. Jetzt erst wurde auch auf eine pädagogische Ausbildung der Erzieher und Diakone Wert gelegt. In den 30 Jahren zuvor galt auch für sie vor allem "Zucht und Ordnung“ – bei einer Bezahlung, die kaum mehr als freie Kost und Logis für die eigene Familie bedeutet.

"In Freistatt waren auch einige Jugendliche untergebracht, die als Erwachsene ins Zuchthaus gemusst hätten", berichtet Pastor Tereick. Nur: "Den Erziehern wurde nicht gesagt, welche Jugendliche das waren. Sie haben alle gleich behandelt, allerdings nicht als Unschuldige, sondern wie Schwerverbrecher."

Der Bethel-Vorstand hat jetzt eine wissenschaftliche Untersuchung zur Aufarbeitung dieser bösen Vergangenheit in Auftrag gegeben. Sie soll schon im kommenden Jahr vorgelegt werden. Und man will den ehemaligen Zöglingen helfen, ihre Rentenansprüche aus dieser Zeit geltend zu machen.

Die erste Einladung zu einem Wiedersehen mit der Stätte ihrer Qualen hat einigen geholfen, ihre eigene Geschichte aufzuarbeiten. "Ich verzeihe meinen Erziehern", erklärt einer der ehemaligen Zöglinge, "so wie ich hoffe, dass auch Gott mir verzeiht." Und Willi Komnick stieg "mit einem ganz anderen Gefühl in mein Auto – auch deswegen, weil ich miterleben konnte, wie sich alles verändert hat. Dass den Jugendlichen in den heutigen Einrichtungen geholfen und ihnen Menschlichkeit entgegengebracht wird." min/red


[ Erstveröffentlichung auf dieser Webseite: 20. September 2006 ]


Medienberichte zu der Veranstanltung mit SPIEGEL-Buch Autor und Journalist Peter Wensierski
in der Moorkirche in Diakonie-Freistatt am Donnerstag den 4. Mai 2006


Subindex Nr. 16

Evangelische Zeitung (EZ) – Christliche Wochenzeitung für Niedersachsen Nr. 19/
14.05.2006. Überschrift, Titelseite: "Schläge im Namen des Herrn""Diakonie Freistatt
stellt sich seiner dunklen Vergangenheit: Ehemalige Zöglinge berichten von ihren Qualen"
.
Artikel betreffend der Veranstaltung in Freistatt mit SPIEGEL-Buch Autor und Journalist
Peter Wensierski am 04.05.2006: Buchlesung mit anschließender eingehender Diskussion.


Diakonie-Freistatt Pressemitteilung vom 5. Mai 2006 betreffend der Veranstaltung
in Freistatt mit SPIEGEL-Buch Autor und Journalist Peter Wensierski am 4. Mai 2006.
Bericht veröffentlicht im Internet-Auftritt der Diakonie-Freistatt
@ http://www.diakonie-freistatt.de/presse_print.php?id=217


DER RING – Monatszeitschrift der v. Bodelschwinghschen Anstalten Bethel, Juni 2006:
Heimkinder Debatte in der Diakonie Freistatt „Die Wahrheit darf niemand in Frage stellen“.
Umfangreicher Bericht von Bethel-Sprecher Jens U. Garlichs, auf Seite 8 und 9.
'Bethel-Vorstandsmitglied Dr. Rolf Engels ergreift schließlich eindeutig Partei
für die ehemaligen Heimkinder: "Alles, was Sie erzählen, muss uns angehen,
die Wahrheit rührt uns an und Ihre Wahrheit darf niemand in Frage stellen.
Wir hören mit tiefer Betroffenheit zu und verschließen uns Ihnen nicht."'


Frankfurter-Allgemeine – FAZ.NET – vom 16.05.2006 – Damalige Heimerziehung:
"Nichts für zartbesaitete" – "Geschichte der Heimkinder in der frühen Bundesrepublik".
Mehr als eine halbe Million deutsche Kinder und Jugendliche waren
bis in die siebziger Jahre in etwa 3000 Erziehungsheimen untergebracht,
80 Prozent davon in kirchlicher Hand.
Zusätzlich, ein Leserbrief zu diesem Artikel.


In Anstalt Freistatt, einem Ableger der v. Bodelschinghschen Anstalten in Bethel
waren damals rund 400 14-21jährige Jungens untergebracht, die oft jahrelang
im Sommer sowie im Winter unbezahlt im Moor schuften musten.
Donnerstag den 4. Mai 2006: Lesung in der Moorkirche von Peter Wensierski
aus seinem am 07.02.2006 veröffentlichten Sachbuch "Schläge im Namen des Herrn
Die verdrängte Geschichte der Heimkinder in der Bundesrepublik". Aufarbeitung.
Ehemalige Zöglinge besuchen erstmals nach Jahrzehnten wieder diese
Fürsorgeeinrichtung, in der sie damals auch geschlagen wurden.


Artikel aus der aktuellen Ausgabe "Die Wochenpost" – Unabhängige Wochenzeitung
für die Landkreise Diepholz und Nienburg – in der Ausgabe vom 3. Mai 2006:
"Blick auf die Freistätter Vergangenheit" betreffend einer Veranstaltungsansage
für eine Lesung in der Diakonie Freistatt Moorkirche mit SPIEGEL-Buch Autor und
Journalist Peter Wensierski aus seinem am 07.02.2006 erschienenen Sachbuch "Schläge
im Namen des Herrn – Die Verdrängte Geschichte der Heimkinder in der Bundesrepublik"
,
am Donnerstag den 4. Mai 2006, mit anschließender eingehender Diskussion.


UNSERE KIRCHE (UK) – Wochenzeitschrift der Evangelischen Kirche in Westfalen
und Lippe vom 21.05.2006 – Seite 6 – Rubrik "DIAKONIE" – mit der Überschrift
"Eine Vertrauensperson fehlte"
( so sagen Ehemalige Heimkinder ).
VERGANGENHEITSBEWÄLTIGUNG – Bethel stellt sich seiner Vergangenheit.
Bericht von Karin Ilgenfritz über eine Veranstaltung in Diakonie Freistatt am 4. Mai 2006.


Syker-Kurier: Aktuelle Ausgabe vom 18.03.2006 – Artikel von Redakteur Ulrich Tate
(Gruppe der – Bremer Tageszeitungen AG (BTAG), zu der der Weser-Kurier gehört):
"Peter Wensierski schrieb ein Buch über brutale Methoden der Heimerziehung"
in "Schläge im Namen des Herrn – Die verdrängte Geschichte der Heimkinder in der
Bundesrepublik"
(ISBN 342105892X), erschienen im SPIEGEL-Verlag am 07.02.2006.


Diakonie Freistatt – Aufarbeitung der Heimerziehung in der Nachkriegszeit.
Online-Artikel @ www.kirchenkreis-diepholz.de und auch in den aktuellen Ausgaben
des Diepholzer-Kreisblatt und der Sulinger-Kreiszeitung vom 18. März 2006.
Re: SPIEGEL-Buch "Schläge im Namen des Herrn", Autor Peter Wensierski.
Pastor Wolfgang Tereick: "Auch in Freistatt wurden Fürsorgezöglinge geschlagen".


Evangelische SONNTAGS-ZEITUNG – Christliches Leben in Hessen und Nassau
vom 5. März 2006 – Seite 9 – Rubrik "HINTERGRUND" – mit der Überschrift
"Schläge im Namen des Herrn""Kirchliche Kinderheime und ihre Methoden
in den 50er und 60er Jahren stehen am Pranger"
Von Wolfgang Plischke.
Artikel betreffend dem SPIEGEL-Buch "Schläge im Namen des Herrn –
Die verdrängte Geschichte der Heimkinder in der Bundesrepublik"

von Autor und Journalist Peter Wensierski, erschienen am 7. Februar 2006.


Betreffend SPIEGEL-Buch: "Schläge im Namen des Herrn –
Die verdrängte Geschichte der Heimkinder in der Bundesrepublik"

Buch-Rezension, Oktober 2006, von Prof. Barbara Rose, Sozialpädagogin,
Rektorin bis 30.09.2006 – Evangelische Fachhochschule für Sozialpädagogik
der "Diakonenanstalt des Rauen Hauses", Hamburg.

( Rezension veröffentlicht in dem zweimonatlichen evangelischen Magazin "Der Bote" )


Buchrezension von Sven Steinacker. Rezension des SPIEGEL-Buches
von Peter Wensierski:
"Schläge im Namen des Herrn -
Die verdrängte Geschichte der Heimkinder in der Bundesrepublik"
.
Diese Rezension erschien im
Sozialwissenschaftliche Literatur Rundschau 54,
Heft 1/2007, S. 107-109.


Buchrezension von Prof. Dr. Peter Schütt vom 08.10.2007, re SPIEGEL-Buch
von Peter Wensierski: "Schläge im Namen des Herrn -
Die verdrängte Geschichte der Heimkinder in der Bundesrepublik"
.
Diese Rezension erschien am 11.10.2007 im Internetauftritt
socialnet.de.


Aufschlußreicher Artikel aus der katholischen ORDENSKORRESPONDENZ:
Zeitschrift für Fragen des Ordenslebens - Nr. 47, Jahrgang 2006, Heft 2.
Buchrezension von
Joachim Schmied. Rezension des SPIEGEL-Buches
von Peter Wensierski:
"Schläge im Namen des Herrn -
Die verdrängte Geschichte der Heimkinder in der Bundesrepublik"
.




Martin Mitchell – Fotos aus seiner Kindheit und Jugendzeit
(chronologisch arrangiert – 1946-1964 – von unten aufwärts)


Die Leidensgeschichte des damalig staatenlosen Jugendlichen Martin Mitchell
in westdeutscher “Fürsorgeerziehung” in den 1960er Jahren, geschildert und
belegt an Hand von aktuellen Schriftstücken aus der “Fürsorgeerziehungsakte”
damalig geführt von der Anstaltsleitung der Betheler Zweiganstalten Freistatt –
Anstalt Freistatt im Wietingsmoor
(Kreis Diepholz, Niedersachsen) – Teilanstalt
der v. Bodelschwinghschen Anstalten Bethel
(bei Bielefeld, Nordrhein-Westfalen).

( Akte erhalten in Australien am 16. Mai 2006.
)



► Heimkinder: Gratis Studienmaterial und Information für alle. Extensive Recherche
und Analyse der Geschichte der bundesrepublikanischen Heimerziehung und
Fürsorgeerziehung
(FE) über mehrere Jahrzehnte nach dem Zeiten Weltkrieg
(Westdeutschland ca 1945-1985), geschildert vom Standpunkt der Opfer.




Siehe auch "Ehemalige Heimkinder" @ heimkinderopfer.blogspot.com und heimkinderopfer2.blogspot.com


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