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Lebenslauf ]
Ich, Martin [Mitchell], wurde als ehelicher
Sohn meiner Eltern, Johann [Mitchell], Maschinenbauingenieur,
und Schlossermeister, und Hella [Mitchell],
geborene S[...........], Technische Zeichnerein, am 28. Juli
1946 zu Berlin-Lichter- felde West geboren.
Mein Vater
ist Heimatvertriebener aus Jugoslavien. Er hat die
deutsche Staatsangehörigkeit nicht angenommen und ist
daher Heimatloser Ausländer. Die Staatsangehörigkeit
überträgt sich vom Familienoberhaupt auf alle
Familienangehörigen. Somit bin auch ich eine
Heimatloser Ausländer.
Ein Jahr nach meiner Geburt
verstarb meine Mutter an Kinderlähmung. Mein Vater
verehelichte sich ein Jahr darauf mit Wilhelmine
[Mitchell], geborene K[.........], Krankenschwester. Diese ist
bis jetzt meine Stief- mutter.
Ich habe noch zwei
Geschwister und drei Halbgeschwister.
Vom Jahre 1953 bis
zum Jahre 1959 besuchte ich 6 Klassen der Grundschule zu
Berlin. Vom Jahre 1959 bis zum Jahre 1962 besuchte ich drei
weitere Klassen der Oberschule des Praktischen Zweiges.
Anfang
1961 kam ich das erste Mal mit den Jugendbehör- den in
Berührung. Von dort an wechselte ich verschiedene Heime in
Berlin. Ich hatte eine Fürsorgeerziehung bekommen.
Am
1. Januar 1962 entwich ich aus einem Heim, ging nach Hause zu
meinen Eltern und begann eine Maurerlehre. Mein Ziel war
gewesen und ist heute noch Architekt zu werden.
Mitte
Juli 1962 wurde ich vom Jugendamt von meiner Lehr- stelle
weggeholt; da ich ja aus dem Heim entwichen war und noch die
Fürsorgeerziehung bestand. Ich wurde in ein Erziehungsheim
bei Kassel in Rengshausen gebracht.
Mein Vater wanderte am
31. Oktober 1962 nach Australien aus. Er wollte mich mitnehmen
und hatte sich lange genug darum bei den Behörden bemüht;
aber vergeblich; das Jugendamt wollte mich nicht herausgeben
und ich mußte zwangs- weise in Deutschland bleiben.
Aus
dem Erziehungsheim in Rengshausen entwich ich vier mal. Beim
vierten Mal konnte ich in Hannover untertau- chen. Ich fand
Arbeit und führte ein anständiges gesittes Leben.
Am
4. Dezember 1962 fuhr ich von Hannover nach Schopp,
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bei
Kaiserslautern, im Landkreis Pirmasens [Rheinland-Pfalz],
zu meiner Kousine Elisabeth F[..............]. Sie ist
verheiratet und hat vier Kinder. Sie wollte mir eine neue
Heimat schenken und nahm mich bereitwillig auf. Ich fand Arbeit
und meldetet mich auch polizeilich an. Als ich etwas Geld
gespart hatte wollte ich eine Lehre als Technischer Zeichner
beginnen. Doch da kam mir das Jugendamt zuvor und mein Plan
wurde vereitelt. Ich wurde am 11. Februar 1963 hier nach
Frei- statt ins Haus Moorhort gebracht.
Das Jugendamt
hat zweimal meine beruflichen Chancen zer- stört, einmal
die Maurerlehre und ein zweites Mal die noch nicht begonnene
Lehre als Technischer Zeichner.
Das Jugendamt hat mich auch
daran gehindert mit meinen Eltern nach Australien zu gehen; was
meiner Mei- nung nach unrechtmäßig geschehen ist.
Meiner Meinung nach hat niemand das Recht mich als Heimatlosen
Aus- länder hier in Deutschland zwangsweise
festzuhalten und schon garnicht wenn meine Eltern auswandern
und meine Auswanderung ebenfalls von der Auswanderungs- behörde
bewilligt worden ist.
Ich verlange meine sofortige
Entlassung, da ich mich zu Unrecht hier [eingesperrt]
fühle.
Jeder vernünftig denkende Mensch muß
es ebenfalls als ein Unrecht ansehen, daß ich hier
bin.
Ich appeliere an den gesunden Menschenverstand
aller derer die mir helfen können und wollen.
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