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Datum
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Beobachtungen
und Bemerkungen
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11.02.63
25.02.63
27.02.63
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Der
Junge wurde uns heute von 2 Herren des Jugendamtes Pirmasens
[die ihn wahrend einer Zugreise von dort
aus begleitet haben] zugeführt. Er zeigte sich sehr
aufgebracht. Sein Wunsch war es, sofort auf die Zelle gebracht
zu werden. Arbeiten werde er nicht. Er fühlt sich als
staatenloser Aus- länder und ist der Ansicht, deswegen
habe der Staat kein Recht, ihn in ein Heim einzuweisen
["während" seine "Eltern
in Australien" seien].
Wider
Erwarten fügte sich der Junge in die Heimordnung gut ein.
Seine Arbeitsleistungen [unter strenger
Bewachung,
beim Parkplatzbau, bei gefrorenem Boden, gegenüber dem
Torfwerk] sind guter Durchschnitt. Zu
den Erziehern ist er höflich.
Ordnung und Sauberkeit sind gut.
Der Junge
ist am 26.2. aus dem Toilettenfenster der unteren Station [im
ersten Stockwerk] entwichen, wurde heute von Minden [an
der Weser,
in Hessen], wo er inzwischen aufgegriffen wurde, dem
Hause Neuwerk zugeführt. – –.– – –
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27.02.63
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Nach
Entweichung aus Moorhort wurde Martin [Mitchell] am 27.2.63 bei
uns aufgenommen. Bei der Aufnahme war er sehr erregt und weinte.
Mit den gleichen Argumenten wie in Moorhort (s. oben) opponierte
er gegen die Heimeinweisung. In seinem Notizbuch fand man eine
Eintragung von ihm: "Ich will mich
aufmachen und zu meinem Vater gehen – – nach
Australien!" Er erklärte offen, bei der
nächsten Gelegenheit würde er fortlaufen.
Schließlich fing er sich wohl, war
höflich und tat, was ihm gesagt wurde und gab
seine kindisch-störische Haltung auf. Bei der Arbeit im
Torffeld tat er in den ersten Tagen, als sei er
kräftemäßig überfordert, weinte und wollte
die Arbeit verweigern. Seinen Demonstrationen wurde
mit Festigkeit [bzw.
"Körperlicher Züchtigung"
– schlichtweg
"Verprügelung"] begegnet. –
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7.6.63
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Wegen
Halsbeschwerden wurde Martin im April dem HNO-Arzt
vor- gestellt. [ ٪
] Am
26.4.63 hatte Martin Termin vor dem Amtgericht Sulingen und wurde
zu 4 Wochen ["]Dauerarrest["]
verurteilt, den er bis 9.6 [in völliger
Isolation in einer vollständig
leeren Zelle in unserer Anstalt Freistatt**]
verbüßt. – [ ٪
] Obwohl
Martin inzwischen bedeutend ruhiger geworden ist, ist
die Oppositionsstufe doch noch stark ausgeprägt.
[ ٪
]
Anordnungen
widerspricht er zunächst leicht, lenkt dann aber auf- grund
seiner Erfahrungen [mit vorherigen ihm
auferlegten Bestrafungen
und
"körperlichen Züchtigungen"]
ein.
[ ٪
]
Bei
der [unentlohnten]
Arbeit [im Moor,
in der Landwirtschaft,
im Garten,
im Straßenbau oder im Hausbetrieb] ist Martin
gründlich, aber langsam. Wettbewerb mit anderen
["Fürsorgehäftlingen",
in der ihnen aufgezwungen Akkordarbeit,
die wir sie antreiben im Laufschritt,
zu verrichten] spornt ihn an. [ ٪
] Unter
den Jungen ist er ein ausgesprochener Einzelgänger, er
hat niemanden, mit dem er sich auch nur besser verstünde.
Darum sitzt er in der Freizeit fast
ausschließlich im Leseraum [
– die einzige Nichtraucher-zone;
einem Bereich wo wir auf absolutes
Sprech- verbot bestehen – ] und liest
oder schreibt. [ ٪
] Martin
ist Nichtraucher. [ ٪
] Sein
Hobby ist Technisches Zeichnen. – [ ٪
] Martin
ist starker Esser, ißt
dabei aber sehr manierlich und
offenbar immer mit Genuß. [ ٪
] Ornung
und Sauberkeit sind bei Martin sehr gut, er wäscht sich
gründlich, pflegt sich sehr, macht sein Bett tadellos. Er
zwingt sich zur Einordnung in das Heimleben, was ihn offenbar
viel Kraft kostet. – [ ٪
] Martin
hat einigen Briefwechsel, auch vom Vater aus
Australien hatte er Post.
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23.8.63
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Am
4.7.63 entwich Martin, als er mit anderen Jungen unter
Aufsicht sicht eines Erziehers vom Zahnarzt [im
Dorf] ins Haus ["Neuwerk"] zurückgehen
sollte. Er wurde am gleichen Tage abends in Sulingen aufgegriffen
und zurückgeführt (ausführlicher Bericht s.
Akte). [ ٪
] Martin
findet sich nach wie vor nicht mit seiner Heimunterbringung ab. Er
ist ["]egozentrisch["]
und ["]rechthaberisch["].[
Schreiber unbekannt
] [ ٪
] Mit
der Wahrheit nimmt er es nicht genau. [ Schreiber
unbekannt ] [
٪
] Charakterliche
Änderung dürfte kaum zu erwarten sein. [ ٪
] Martins
Arbeitsleistungen sind in letzter Zeit etwas besser
geworden. Reinigungsarbeiten im Hause führt er sehr
gewissenhaft aus, nimmt sich allerdings sehr viel Zeit dafür. [
٪
] Auch
in der Freizeit ist Martin pausenlos beschäftigt;
er schreibt (auffalled "gestochene"
Schrift), er malt und füllt die Zeit
sinnvoll aus. [ ٪
] Im
[einmal wöchentlichen,
halbtäglichen] "Berufschulunterricht"
ist Martins Betragen gut, er
ist sehr ruhig, zur Mitarbeit aufgefordert, hat
erstehts eine Antwort bereit und zeigt so, daß er immer
bei der Sache ist.
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8.11.63
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Das
Landesjugendamt Berlin hat Martin mitgeteilt,
daß es nicht mehr gegen seine Auswanderung nach
Australien sei und daß das Erforderliche
eingeleitet worden ist. Seit dieser Nachricht ist Martin
wesentlich ausgeglichener geworden und beschäftigt
sich offenbar nicht mehr mit Entweichungsplänen.
Gleichzeitig sind seine Arbeitsleistungen auch gestiegen. [
٪
] In
der Freizeit ist er stehts vernünftig beschäftigt.
Beim basteln arbeitet er sehr sauber und päzise. [
٪
] Im
[einmal wöchentlichen,
halbtäglichen] "Berufschulunterricht" ist
Martins Betragen befriedigend, in der Mitarbeit ist er etwas
groß- zügiger geworden und handelt oft eigenmächtig.
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19.12.63
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Martin
wurde heute nach Berlin-Schlachtensee (Jugendhof) verlegt.
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[**Nur
eine Bible tagsüber und ein Faltbett des Nachts waren ihm
erlaubt während des "Dauerarrests".]
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