Der Betreiber dieser Webseite ist der hoch-engagierte Martin Mitchell in Australien (ein ehemaliges “Heimkind” in kirchlichen Heimen im damaligen West-Deutschland)

Katholische Nachrichten-Agentur (KNA) – 13.06.2002 – Kindesmissbrauch –
Katholische Kirche in der USA – Beichte, Reue und Umkehr. –
Was ist die Situation in Deutschland selbst?

Beichte, Reue und Umkehr

Vorsitzender der US-Bischofskonferenz zu Sexualskandal

Der Vorsitzende der katholischen Bischofskonferenz der USA, Bischof Wilton Gregory von Belleville, hat zum Auftakt der Bischofsvollversammlung zum Thema sexueller Missbrauch durch Priester eine Ansprache gehalten. Seine Rede stellte er unter die Schlagworte Beichte, Reue und Umkehr. KNA dokumentiert den Text in Auszügen in einer eigenen Übersetzung.


Die katholische Kirche der USA befindet sich in einer Krise, vielleicht eine der schwersten, die es je gab. [...] Die Krise ist in Wahrheit der schwere Vertrauensverlust der Gläubigen in uns als Hirten, weil wir bei der Reaktion auf das Verbrechen des sexuellen Missbrauchs von Kindern und jungen Menschen durch Priester und Kirchenmitarbeiter versagt haben. [...]

Wir sind diejenigen, die vielleicht durch Unwissenheit oder mangelnde Wachsamkeit oder - möge Gott es verhüten - durch Mitwisserschaft Missbrauchspriestern erlaubt haben, in ihrem Amt zu bleiben und sie in andere Gemeinschaften versetzt haben, wo sie ihren Missbrauch fortgesetzt haben. Wir sind diejenigen, die sich dafür entschieden haben, kriminelle Handlungen von Priestern den Behörden nicht zu melden, weil das Gesetz dies nicht verlangte. Wir sind diejenigen, die sich mehr um den möglichen Skandal gesorgt haben als um die Schaffung einer Öffentlichkeit, die Missbrauch verhindert. Und wir sind diejenigen, die zeitweise Opfern und ihren Familien als Gegenspieler anstatt als mitleidendes Mitglied der Kirche gegenüber getreten sind.

Unsere Beichte geht Hand in Hand mit tief empfundener Reue. [...] In meinem Namen und im Namen aller Bischöfe möchte ich Ihnen, die sexuellen Missbrauch durch einen Priester oder einen anderen Kirchenmitarbeiter erlitten haben, meine tief empfundene Entschuldigung aussprechen. Ich bin zutiefst bestürzt und werde es bis zum Lebensende bleiben über das Leid, dass Sie durchgemacht haben. Wir bitten um Ihre Vergebung. [...]

Meine Mitbrüder im Bischofsamt: Es gibt in diesem Raum viel Zorn, berechtigten Zorn. Seit 1985 haben wir uns als Konferenz und als einzelne Diözesanbischöfe mit dem Problem des sexuellen Missbrauchs beschäftigt und nach Möglichkeiten gesucht, die Kirche, so weit dies menschenmöglich ist, zu einem sicheren Umfeld für unsere Kinder zu machen. 1992, nach sieben Jahren intensiven Studiums und Arbeit, wozu das Anhören von Missbrauchsopfern und anderen Kirchenmitarbeitern, die Beratung mit Experten und das Ausprobieren von Richtlinien auf diözesaner Ebene gehörten, haben wir "Fünf Prinzipien des Umgangs mit Anschuldigungen über sexuellen Missbrauch" entwickelt. Die große Mehrheit der Bischöfe hat diese Prinzipien angenommen und als Richtlinien für den Umgang mit Sexualmissbrauch in ihren Diözesen festgeschrieben. Damit haben sie wesentlich zum Schutz von Kindern in der Kirche beigetragen.

Diese Prinzipien wurden jedoch nicht in allen Diözesen des Landes effektiv angewendet. Das ist innerhalb von wenigen Monaten schmerzhaft deutlich geworden. Die solide und gute Arbeit, die von der Mehrheit der Bischöfe in ihren Diözesen geleistet wurde, ist von den unvorsichtigen Entscheidungen einer kleinen Zahl von Bischöfen in den vergangenen zehn Jahren völlig überschattet worden. Es ist, als ob all das Gute, das erreicht worden ist, niemals da war oder wieder zunichte gemacht wurde. Der Zorn darüber ist eine Realität und nur zu verständlich. [...]

Gemeinsam müssen wir garantieren, dass jedes Kind in Amerika vor sexuellem Missbrauch durch Priester oder andere Kirchenmitarbeiter geschützt ist. [...]

Die Fehler der Vergangenheit dürfen sich nicht wiederholen. [...] Damit unsere Arbeit wirklich auf solidem Grund steht - nachdem wir so ehrlich wie möglich die Vergangenheit aufgearbeitet haben - möchte ich ein kurzes Wort an drei Gruppen richten.

An die Missbrauchsopfer: wenn es jemanden gibt, der von einem Priester oder einem Kirchenmitarbeiter in den USA sexuell missbraucht wurde und diesen Fall noch nicht angezeigt hat, so bitte ich darum, dies umgehend bei dem jeweiligen Diözesanbischof und bei den entsprechenden zivilen Behörden zu tun. [...]

An die Priester: wenn es irgendeinen Priester gibt, der für das Verbrechen des sexuellen Missbrauchs eines Kindes oder eines Jugendlichen verantwortlich ist, so bitte ich ihn, diesen Fall seinem Bischof mitzuteilen, damit der Gerechtigkeit und der Kirche gedient wird und damit der Betroffene in Ehrlichkeit vor seinem Gewissen leben kann.

An meine Mitbischöfe: Wenn es irgendeinen Bischof gibt, der ein Kind oder einen Jugendlichen sexuell missbraucht hat, bitte ich darum, diesen Fall der Nuntiatur zu melden, damit der Gerechtigkeit und der Kirche gedient wird und damit der Betroffene in Ehrlichkeit vor seinem Gewissen leben kann.

In den vergangenen fünf Monaten hat der sexuelle Missbrauch von Kindern und Jugendlichen insbesondere durch Priester im Mittelpunkt der nationalen und lokalen Medien gestanden. Bei meinen eigenen Begegnungen mit den Medien bin ich in der Regel mit Wohlwollen behandelt worden. Ich habe großen Respekt vor der Macht der Medien, Gutes zu bewirken. Wenn, wie es den Anschein hat, die derzeitige Aufmerksamkeit der Medien Missbrauchsopfern geholfen hat, hervorzutreten, so wurde damit ein großer Dienst geleistet. Ich freue mich besonders darüber, dass die Medien in jüngster Vergangenheit dem Thema sexueller Missbrauch von Kindern und Jugendlichen als gesamtgesellschaftlichem Problem mehr Aufmerksamkeit geschenkt haben. [...]

Ich rechne aber auch auf Sie, die Medien, umfassend und fair über das zu berichten, was wir in diesen Tagen und in den nächsten Tagen und Jahren tun werden. Trotz allem, was geschehen ist, ist die katholische Kirche in den USA die größte einzelne private Organisation des Landes, die landesweit Dienstleistungen sowie Bildungs- und Ausbildungsmöglichkeiten für Kinder anbietet. Und wir leisten diese Dienste gut, effektiv und aus dem tiefsten Herzen einer gläubigen Gemeinschaft. [...]

Es es ist meine sehnlichste Hoffnung, dass die erfolgreiche Arbeit, die wir innerhalb der Kirche zur Bekämpfung von sexuellem Missbrauch tun, der Gesellschaft als ganzes hilfreich sein möge. Es ist kein Geheimnis unter denjenigen, die Verantwortung für Kinder haben, dass das Thema sexueller Missbrauch von Kindern und Jugendlichen alle Schichten der Gesellschaft betrifft. Ich freue mich darauf, nach kreativen Wegen zu suchen, wie wir effektiver und umfassender mit anderen Gruppen unserer Gesellschaft den Schutz von Kindern verstärken können. [...]

[KNA]


© 2002 KNA

Enthoben vom Internet @ http://www.kna.de/doku_aktuell/usa_sexskandal.html

KNA – Katholische Nachrichten-Agentur, Dokumentation aktuell

KATHOLISCHE KIRCHE NACHRICHTEN AGENTUR GMBH
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[ Erstveröffentlichung auf dieser Webseite: 7. September 2004 ]

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