| Der Betreiber dieser nichtkommerziellen Webseite ist der hoch-engagierte Martin Mitchell in Australien (ein ehemaliges “Heimkind” in kirchlichen Heimen im damaligen West-Deutschland) |
Erscheinungsdatum: Februar 2006 (Neuauflage) - Erschienen bei: pg-belletristik - ISBN 3-927223-57-3
Autor
Harry Graeber beschreibt in seiner Autobiographie seine Erziehung in
Kinder- und Jugendheimen. Härte und Lieblosigkeit der Erzieher,
Dressur und Fremdbestimmung lassen ein nur schwer überwindbares
Trauma und Angst vor einem späteren eigenverantwortlichen Leben
entstehen.
Der Krieg und die darauf folgende Flucht haben eine
Danziger Familie mit acht Kindern zerrissen, entwurzelt und ins
soziale Elend gestürzt. In Lagern und Behelfswohnungen erleben
sie eine auswegslose Misere. Die Kinder werden schließlich der
allein erziehenden Mutter durch bürokratischen Entscheid (der
Übermut der Ämter!) weggenommen und ohne Rücksicht auf
geschwisterlichen Zusammenhalt in verschiedene Heime eingewiesen.
Dort sind sie der rohen Dressur und der Brutalität von
stumpfsinnigen Erziehern ausgeliefert, die Anpassung und Unterwerfung
erzwingen. Die Kinder vergessen bald, was überhaupt eine Familie
ist. Die Geschwister - selbst die Mutter - werden einander fremd.
Ohne Zuwendung erleiden sie schweren seelischen Mangel, der ihr
jugendliches Gemüt zerstört.
Doch ihr Freiheitswille
- insbesondere bei dem Protagonisten Hardy - ist ungebrochen. Wie
zuvor schon seine größeren Brüder organisiert er
chaotische Fluchten. Diese führen aber immer nur in noch
strengere Anstalten, zuletzt mit Sträflingsarbeiten im
Steinbruch. Nie erlernen die Jungen Eigenverantwortlichkeit. Ins
Erwachsenenleben werden sie dann ganz unvorbereitet entlassen. Es
bleibt für sie ein kaum zu überwindendes Trauma.
Der
Autor Harry Graeber - wieder erkennbar in der Person Hardy - stürzt
sich auf die Erinnerungen seiner Mutter, seiner Geschwister und auf
intensive eigene Recherchen. Das Buch ist für ihn auch die Suche
nach dem eigenen Ich, das in der Jugend verschüttet wurde. Es
ist ein Zeichen der Überwindung seiner tiefen
Beschädigung.
Graeber schreibt im Vorwort: „ Meine
Recherchen dienten nicht der Suche nach Schuld, sondern der
Erforschung der schicksalhaften Ursachen.“
Trotz alledem
gilt dies Buch als Mahnung an diejenigen, die das Schweigen nötig
haben. Eine misshandelte Jugend ist immer auch eine misshandelte
Zukunft!
Udo K. Zoll
Wir werden sterben, doch unsere Kinder werden an den
Folgen des Bösen leiden, das ihren Geist für immer
entstellt hat.
Maria Montessori
Enthoben
vom Internet @
http://www.donaustrudl.de/thema/aktuell/thema_08.html,
©
2003 werkstatt 5 exibited on that Webpage.
[
Erstveröffentlichung auf dieser Webseite: 29. September 2004 ]
|
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