Der Betreiber dieser nichtkommerziellen Webseite ist der hoch-engagierte Martin Mitchell in Australien (ein ehemaliges “Heimkind” in kirchlichen Heimen im damaligen West-Deutschland)

In Bezug auf das SPIEGEL-Buch „Schläge im Namen des Herrn“ –
Stellungnahme von
Pfarrer Jürgen Gohde, Präsident des Diakonischen Werkes
der Evangelischen Kirche in Deutschland.
Interview: Katharina Sperber, Frankfurter Rundschau, 07.03.2006 | child slave labour


[ Enthoben aus der aktuellen Ausgabe der Frankfurter Rundschau vom 7. März 2006; eingescannt als ein PDF-Dokument @ http://www.wensierski.info/html/aktuelles.html ]

„Wir wollen nichts beschönigen“

Fälle, wie der Spiegel-Autor Peter Wensierski beschreibt,
gab es auch bei der Diakonie, bestätigt deren Präsident

––– Frankfurter Rundschau: Herr Gohde, was ist Ihnen durch den Kopf gegangen, als Sie das soeben erschienene Buch, „Schläge im Namen des Herrn“ von Peter Wensierski gelesen haben? Hatten Sie Mitleid mit den Zöglingen in den geschlossenen Kinder- und Jugendheimen der 50er und 60er Jahre?

Jürgen Gohde: Ja, natürlich. Ich bedauere sehr, was in der Vergangenheit auch in Heimen der Diakonie Schlimmes geschehen ist. Das Buch bricht Tabu. Es gehört für mich zu den erstaunlichsten Phänomenen, dass das Thema immer mal wieder hochgekommen ist, aber es ist politisch nie systematisch bearbeitet worden.

––– Wie sollte das geschehen?

Wir müssen uns fragen, wie konnte es damals zu solchen Ausgrenzungen junger Menschen und Übergriffen kommen? Da waren auch Richter beteiligt, Lehrer, Jugendämter, Nachbarn und Eltern. Dahinter steckt ein ganzes Wertgefüge. Die Erzieher beispielsweise waren junge Leute, die aus dem Krieg zurückkamen, häufig ohne gute Ausbildung und viele sicher traumatisiert, was aber niemanden interessierte. Sie mussten bis zu 80 Stunden in der Woche arbeiten. Die Pädagogik orientierte sich an Anpassung und Disziplinierung. Es war die Rückkehr in eine wilhelminische Erziehungstradition. Verhaltensweisen Jugendlicher, die wir heute für selbstverständlich hielten, wurden bestraft.

––– Aber was ist mit den Opfern dieser schwarzen Pädagogik?

Das Seltsame ist, dass bei allen Reformen, die wir inzwischen erfolgreich eingeleitet und umgesetzt haben, nie die Frage gestellt worden ist, welche Traumata damals bei den jungen Leuten ausgelöst worden sind. Es ist das Verdienst des Buches, dass es all die Biografien aus der Anonymität herausgeholt hat. Ich wünsche mir, dass wir die Scham überwinden, über die Gewalttraditionen in der Erziehung zu reden. Dafür brauchen wir die Berichte der Opfer und Erzieher.

––– Bleiben wir bei den Opfern. Sie haben häufig auch materielle Einbußen erlitten. Die Jugendlichen mussten hart arbeiten, bekamen jedoch keinen oder kaum Lohn dafür. Rentenanwartschaften haben sie auch nicht erworben. Werden das Diakonische Werk oder die Evangelische Kirche Entschädigungen zahlen?

Das sind Fragen, die man ohne eine systematische Aufarbeitung nicht beantworten kann. Arbeit war ja nicht der Zweck des Aufenthaltes in diesen Heimen. Aber sie war als Mittel zum Zweck gedacht, die junge Menschen zu einer persönlichen Stärke führen sollte. Das Gegenteil geschah. Außerdem: Es gab nicht genügend Ausbildungsplätze für Jugendliche in den Einrichtungen wie auch außerhalb.

––– Wollen Sie damit sagen, das war eine verkappte Ausbildung?

Nein, nein, ganz im Gegenteil. Es sollte eine Hilfe zur Schaffung einer Tagesstruktur sein – so würden wir das heute nennen. Aber das war es natürlich nicht. Wenn Arbeit der Zweck für den Aufenenthalt in einem Heimen [sic] gewesen wäre, dann müsste man über Entschädigung nachdenken. Das alles muss jetzt sehr sorgfältig untersucht werden.

––– Sorgfalt braucht Zeit, aber die Opfer sind nicht mehr die Jüngsten. Wann wird die Aufarbeitung beginnen?

Wir untersuchen bereits historisches Material. Die Archive sind lange offen. Wir bereiten derzeit eine Tagung zu dem Thema vor, auf der alle Beteiligten zu Wort kommen müssen. Wir bereiten auch eine Studie vor. Die wird unabhängig sein. Wir haben ja schon Erfahrung in der Aufarbeitung der Zwangsarbeit oder mit dem Thema der Jugendlichen bis 1945. Wir wollen nichts beschönigen, verharmlosen oder ungeschehen machen.

––– Das heißt konkret?

Wir als Kirche, als Diakonie, können eine Plattform bilden, wo Opfer den Respekt und die Anerkennung wiedergewinnen, die man ihnen so lange vorenthalten hat. Sehr lange wurden ihnen ja ihre Geschichten, die sie erzählen wollten, gar nicht geglaubt. Das ist eine offene Wunde.

––– Wie ist sie zu schließen?

Indem wir persönliche Begegnungen vor Ort möglich machen. In diesem Rahmen sind auch Entschuldigungen zu sagen und zu hören. Wichtig in diesem Zusammenhang ist mir allerdings zu betonen: Ich habe momentan keinen Anhaltspunkt dafür, dass die jungen Menschen systematisch und auf Weisung der Diakonieleitungen oder der Kirche gequält worden sind.

––– Warum haben die Diakonie und die Kirchen das Tabu nicht selbst gebrochen?

Wir beschäftigen uns schon sehr lange mit den Problemen. Das Thema taucht seit 1960 regelmäßig intern und extern auf. Allerdings waren wir alle konzentriert auf die Reform der Strukturen und Konzepte und offenbar war ja auch das öffentliche Interesse an einer Aufarbeitung nicht recht vorhanden. Es kommt jetzt aber darauf an, diese Scham über das eigene Tun zu überwinden und mit den Opfern und Tätern eine neue Perspektive zu suchen.

Interview: Katharina Sperber


INTERVIEW

BILD: JACOB
Jürgen Gohde ist evangelischer Theologe und seit 1994 Präsident des Diakonischen Werks der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Gohde wurde 1948 in Rotenburg (Wümme) geboren. Er studierte Theologie und Erziehungswissenschaften und war später als Pfarrer tätig. Seit 2000 ist er Präsident des Europäischen Verbands für Diakonie (Eurodiaconia). FR

[ Speziell von einem Opfer verfertigte Kopie, damit es besser im Internet auffindbar ist, und auch in Zukunft auffindbar bleibt. ]

[ Erstveröffentlichung auf dieser Webseite: 15. März 2006 ]


Subindex Nr. 12

Stellungnahme vom 07.03.2006 von dem Bethel-Sprecher Jens U. Garlichs zu dem
damaligen Unrecht in der Heimerziehung und den Missständen in der Bethel
Einrichtung Diakonie Freistatt nach dem 2. Weltkrieg, die Bethel "schon lange dabei"
sei "aufzuarbeiten" und "öffentlich zu machen".


Bethels DRITTE offizielle öffentliche Stellungnahme,
vom 21. Februar 2006, hervorgerufen durch einen Gästebucheintrag,
an diesem Tag, im Gästebuch von Bethel, von Jörg Schmidt aus Juist-Soltau,
einem wohlwollenden langjährigen Unterstützer von Bethel.
Stellungnahme von Bethel-Presse-Sprecher Jens U. Garlichs.


Undatierte öffentliche Stellungnahme der v. Bodelschwinghschen Anstalten Bethel,
anscheinend durch ihren Bethel-Presse-Sprecher Jens U. Garlichs,
anscheinend erstmalig auf der Bethel-Webseite veröffentlicht ca Mitte März 2006.


In Bezug auf das SPIEGEL-Buch „Schläge im Namen des Herrn“ –
Stellungnahme von Pfarrer Jürgen Gohde, Präsident des Diakonischen Werkes
der Evangelischen Kirche in Deutschland.
Interview: Katharina Sperber, Frankfurter Rundschau, 07.03.2006 | child slave labour


Jürgen Gohde, Präsident des Diakonischen Werkes der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD)
über die Kritik an der Heimerziehung auch in diakonischen Einrichtungen der Nachkriegsjahre.
Interview in dem Magazin zeitzeichen - Ausgabe 4/2006 (auf Seite 41-42) -
Evangelische Kommentare zu Religion und Gesellschaft. Die Fragen stellte Kathrin Jütte.


Jürgen Gohde, Präsident des Diakonischen Werkes der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD)
versichert ehemaligen Heimkindern, die in damaligen Heimen der Inneren Mission, bzw. der Diakonie
erzogen und ausgebildeten worden sind, dass die Diakonie "jeden dabei unterstützen" wird
"seine Akten einzusehen". "Wir haben kein Interesse, etwas unter den Tisch zu kehren.", sagt er,
in einem Interview, dass er im chrismon PLUS - das evangelische Magazin - 06/2006
(auf Seite 47) Anfang Juni 2006 gegeben hat. Die Fragen stellte Burkhard Weitz.


Aktuelle Ausgabe "Diakonie Report" ( Innere Mission, München ) Nr. 35 - 2006 –– ( Seite 7 ):
"Systematische Misshandlungen gab es nicht
[ in der evangelischen Heimerziehung ]",
meint Michael Häusler, Leiter des Archivs des Diakonischen Werkes
der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD).


EVANGELISCHER ERZIEHUNGSVERBAND IN DAMAGE CONTROL:
Bundesverband Evangelischer Einrichtungen und Dienste e. V. regt an und
gibt Ratschläge wie man mit Betroffenen damaliger Misshandlungen und
Traumatisierungen in eigenen Einrichtungen umgehen sollte und möglichen
von Betroffenen ausgehenden Rechtsansprüchen aus dem Wege gehen könnte.


Bischof Dr. Wolfgang Huber, Vorsitzender des Rates der Evangelischen Kirche
in Deutschland (EKD) äußerte sich innerhalb seines Vortrages am 10.03.2006
in Dortmund − zu den damalig auch in Heimen und Erziehungsanstalten
in evangelischer Trägerschaft angewendeten Gewaltmethoden.


Vereinsberater Michael-Peter Schiltsky: Verein ehemaliger Heimkinder e. V.
Schiltsky ist Heimkind der Wirtschaftswunderzeit, ein geschundenes,
ein missbrauchtes Kind. Und er hat, als einer von ganz, ganz wenigen
der vielen Heimkinder der Nachkriegszeit in der Bundesrepublik,
das Abitur geschafft und studiert.
Vorgestellt vom Täglicher Anzeiger
(Kreis Holzminden) am 25.03.2006.


Vom Verein ehemaliger Heimkinder e. V. im Internet veröffentlichte
offizielle öffentliche Stellungnahme der EKD vom 22. März 2006,
in Antwort auf ein Schreiben des Vereins – Anfang Februar 2006 –
an den Ratsvorsitzenden der EKD Bischof Dr. Wolfgang Huber.

( Das Vereinsschreiben selbst, an die EKD – bzw. an den Ratsvorsitzenden der EKD Bischof Dr. Wolgang Hunber –
ist leider bisher noch nirgens veröffentlicht worden
)

Der Spiegel, 16/2006 – Späte Reue – Kirchen unter Erklärungsdruck
zur Geschichte der Heimerziehung und schwarzen Pädagogik
in der Bundesrepublik Deutschland.


Das katholische DOM Nr. 23 – 4. Juni 2006 – Seite 20 – ERZBISTUM Paderborn.
Scherfede: St. Johannisstift organisierte Fachtagung zur Heimerziehung.
Katholische DOM-Magazin Artikel-Überschrift: »Wer nicht lieb war, kam ins Heim«.


Westfalen-Blatt Nr. 122 – Dh11 – LOKALES – 27./28. Mai 2006 – Seite 00 – Paderborn.
Scherfede: St. Johannisstift stellt sich der Vergangenheit.
Tagung zum Thema Heimerziehung mit Betroffenen.
Fachtagung zur »Historie der Heimerziehung«.


„Beispiel für pädagogische Fehler“
Kinder- und Jugendhilfe St. Johannisstift setzt sich mit Heimerziehung auseinander
Westfälische Nachrichten – berichtet von Anja Sparbrod – Mai 2006.


Pfarrer Wolfgang Wagner von der evangelischen Akademie Boll nimmt Stellung
zur Heimerziehung im Nachkriegsdeutschland (BRD) (Westdeutschland),
dem SPIEGEL-Buch “Schläge im Namen des Herrn”,
und zu den Aussagen von Jürgen Gohde, Präsident des Diakonischen Werkes, dazu.


Leserbrief von Pfarrer Dierk Schäfer – Akademie Boll – 14.03.2006 – und
seine persönliche Stellungnahme zu der im Nachkriegsdeutschland (in der BRD)
in der Heimerziehung weiter fortgeführten “Schwarzen Pädagogik der Nazis” |
sein persönlicher Aufruf zur Aufarbeitung der Geschichte, und zum Sühne tun –


Offener Brief von Pfarrer Dierk Schäfer – Akademie Boll – 12.04.2006 – an
Pfarrer Jürgen Gohde, Präsident des Diakonischen Werkes der Evangelischen Kirche
in Deutschland, worin Pfarrer Dierk Schäfer, u. a., ganz besonders darauf hinweisst,
dass zu einer umfassenden Aufarbeitung der Mißstände
in den Nachkriegs-Heimen Westdeutschlands,
auch eine Neubewertung des Tuns, Wirkens und Handelns von Johann-Hinrich Wichern,
Gründer der Inneren Mission und Vater des damaligen Rettungshausgedanken, gehört.


CARITAS-Präsident Peter Neher im Spiegel-Interview: “Es tut mir leid!”
Präsident der deutschen Caritas, Peter Neher, fordert einen
offeneren Umgang mit einem dunklen Kapitel deutscher Geschichte:
die Geschichte der Heimerziehung im Nachkriegsdeutschland.


Offener Brief an die Deutsche Bischofskonferenz am 6. März 2006.
Appell des Verein ehemaliger Heimkinder e. V. an die Deutsche Bischofskonferenz.
Michael-Peter Schiltsky : Im Auftrag des Vorstandes : Verein ehemaliger Heimkinder e. V.


Caritas stellt sich Diskussion um Heimerziehung der Nachkriegszeit,
während welcher Zeit "Strafe statt Pädagogik" und "intensive Arbeitseinsätze"
auch in Heimen und Anstalten katholischer Orden – unter der Führung der verschiedenen
Diözesan Caritasverbände in der BRD, bzw. der "Caritas", an der Tagesordnung waren.
Kurzfristige Terminansage am 18.09.2006 für ein Termin am 25.09.2006 in Münster.


Kommentar (vom 18.03.2006) zur “Aufarbeitung der damaligen Heimerziehung”
von Jürgen Sauer – Presse- und Öffentlichkeitsreferent beim Diözesan-Caritasverband
für das Erzbistum Paderborn und Mitglied der Redaktion von "Caritas in NRW"
und "Caritas in NRW – AKTUELL”.


Bücher von Bethel – v. Bodelschwinghschen Anstalten Bethel – oder von der
Inneren Mission, der Diakonie, oder von der Evangelischen Kirche in Deutschland
selbst in Auftrag gegebene Veröffentlichungen,
angeblich zur Aufarbeitung ihrer Geschichte,
und angeblich ganz besonders auch zur Aufarbeitung ihrer Geschichte
im Umgang mit Kindern und Jugendlichen
in der diakonischen Heimerziehung der Nachkriegszeit
(d. h. “der diakonischen Heimerziehung” nach dem Zweiten Welkrieg,
während dem Wirtschaftswunder Westdeutschlands).
Wo sind diese angeblichen “Aufarbeitungen der Geschichte
der diakonischen Heimerziehung
der Nachriegszeit” zu finden ?


Einige weiterhin an einigen Stellen im Internet bestehen bleibende
zu der Zeit notwendige öffentliche Bekanntgebungen
von Martin Mitchell aus Australien, nachdem Bethel und die Diakonie
Freistatt und die Evangelische Kirche in Deutschland im August 2003
begann zu zensieren und zu blockieren.




Bitte nicht vergessen auch "Ehemalige Heimkinder" @ http://heimkinderopfer.blogspot.com zu besuchen.


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